Bei der strengen Domina
Die meisten Femdom Geschichten, die man liest, beginnen mit der Peitsche. Meine beginnt mit dem Warten. Mit einem schmalen Stuhl in einem fremden Vorraum, mit dem Geruch von Leder und kaltem Tee, und mit der langsamen, demütigenden Erkenntnis, dass ich schon gehorchte, bevor sie überhaupt ein Wort gesagt hatte.
Ich heiße Jonas, ich bin achtunddreißig, und bis zu jenem Nachmittag hatte ich noch nie einer Frau wirklich gehört. Das hier ist die Geschichte meiner ersten Stunde bei einer strengen Domina — und davon, wie sie in sechzig Minuten aus einem Mann, der alles kontrollieren wollte, jemanden machte, der nichts sehnlicher wollte, als die Kontrolle abzugeben.
Das Warten
Vierzig Minuten. So lange ließ sie mich sitzen.
Ich hatte mir alles zurechtgelegt auf der Fahrt hierher — wie ich mich vorstellen würde, souverän, ein bisschen ironisch, ganz der Mann, der so etwas aus Neugier tut und nicht aus Bedürfnis. Ich hatte mir eingebildet, ich käme als Gast. Nach vierzig Minuten auf diesem Stuhl war von dem Gast nicht mehr viel übrig.
Der Vorraum war kühl und beinahe leer. Ein Kleiderhaken, ein Spiegel, an dem ich mich absichtlich nicht ansah, ein einzelnes gerahmtes Bild, das nichts als eine schwarze Fläche zeigte. Irgendwo hinter der geschlossenen Tür hörte ich manchmal Schritte, das Klicken von Absätzen auf Holz, einmal ein leises, zufriedenes Lachen, das nicht mir galt und mich trotzdem heiß werden ließ. Mit jeder Minute wurde mein Puls lauter, bis ich ihn in den Ohren spürte.
Ich verstand erst später, dass genau das die Absicht war. Wer zu ihr kommt, soll schon zittern, bevor sie den Raum betritt. Das Warten ist nicht die Pause vor der Szene. Das Warten ist der Anfang der Szene. Sie nimmt dir die Zeit, weil die Zeit das Erste ist, was dir gehört — und sie will, dass du begreifst, dass ab jetzt nichts mehr dir gehört.
Ich griff nach meinem Handy, nur um etwas in der Hand zu haben, und steckte es sofort wieder weg. Es kam mir vor wie Schummeln. Als säße ich in einem Warteraum, in dem selbst Ablenkung verboten war, auch wenn niemand es ausgesprochen hatte. Ich legte die Hände auf die Knie. Ich sah auf den Boden. Und ich merkte, wie sich in mir etwas löste, das ich seit Jahren festgehalten hatte, ohne es zu wissen.
Dann ging die Tür auf.
Die erste Regel
Ich stand auf. Zu schnell, zu eifrig — der ganze mühsam aufgebaute Gleichmut fiel in dem einen Reflex in sich zusammen.
Sie blieb im Türrahmen stehen und sah mich an. Groß, aufrecht, in einem schmal geschnittenen schwarzen Kleid, das nichts zeigte und alles versprach. Dunkles Haar streng zurückgebunden. Ein Gesicht, das schön war auf eine Art, die keine Widerrede duldete. Sie hob eine einzige Augenbraue, und dieser winzige Muskel reichte, um mir das Blut in die Wangen zu treiben.
„Habe ich gesagt, dass du stehen darfst?”
Ihre Stimme war leise. Ruhig. Kein Zorn darin, nicht die Spur — und gerade deshalb traf sie mich wie eine Hand auf der Brust. Ich setzte mich wieder, langsam diesmal, und spürte, wie mein Gesicht brannte.
„Nein”, sagte ich.
Sie kam herein und schloss die Tür hinter sich, ohne Eile. Sie ging nicht auf mich zu. Sie ging um mich herum, einmal ganz langsam, und ich hielt den Blick starr nach vorn, weil ich instinktiv spürte, dass ich ihr nicht mit den Augen folgen durfte. Ihre Absätze klickten auf dem Holz, hinter mir, neben mir, und der Klang allein ließ meinen Atem flacher werden.
„Die erste Regel”, sagte sie, und blieb genau hinter mir stehen, sodass ich sie hörte, aber nicht sah, „ist, dass du nichts tust, was ich nicht angeordnet habe. Du sprichst nicht, wenn ich nicht frage. Du stehst nicht, wenn ich es nicht sage. Du sitzt hier, du atmest, und du wartest darauf, dass ich dir sage, wer du für die nächste Stunde bist.” Eine winzige Pause. „Hast du verstanden?”
„Ja”, sagte ich.
Stille. Eine Stille, in der ich merkte, dass ich etwas falsch gemacht hatte, bevor sie es aussprach.
„Ja — wer?”
Ich schluckte. Das Wort lag mir seltsam schwer auf der Zunge, so ungewohnt, so entblößend. „Ja, Herrin.”
„Besser.” Sie trat vor mich, und jetzt durfte ich aufsehen, sah es an ihrem kaum merklichen Nicken. „Sieh mich an, wenn du mit mir sprichst. Aber nur dann.” Sie musterte mich, als läse sie etwas von meinem Gesicht ab, das ich selbst nicht kannte. „Du bist zum ersten Mal hier. Bei einer Domina, meine ich. Nicht in deinen Fantasien — da bist du wahrscheinlich schon hundert Mal gewesen.”
Ich brachte kein Wort heraus. Sie lächelte, das erste Mal, und es war kein warmes Lächeln, sondern ein wissendes.
„Du musst nicht antworten. Es steht dir ins Gesicht geschrieben. Die Neuen sitzen alle so da wie du — als wollten sie beweisen, dass sie es nicht nötig haben.” Sie beugte sich leicht vor. „Und trotzdem seid ihr gekommen. Trotzdem sitzt du auf meinem Stuhl und wartest, dass ich dir sage, was du tun sollst. Weißt du, was das bedeutet?”
„Nein, Herrin.”
„Es bedeutet, dass ein Teil von dir längst weiß, wohin er gehört.” Sie richtete sich wieder auf. „Und meine Aufgabe für die nächste Stunde ist es, dem Rest von dir dasselbe beizubringen.”
So begann meine Erziehung.
Wer hier bestimmt
Was danach geschah, hatte mit dem, was ich mir vorgestellt hatte, wenig zu tun. In meinem Kopf war es immer um Werkzeug gegangen, um Leder und Riemen, um Schmerz. Sie brauchte nichts davon. Ihre Macht lag in der Stimme, in den Pausen, in der absoluten Selbstverständlichkeit, mit der sie über jede Sekunde verfügte.
„Steh auf”, sagte sie.
Ich stand auf.
„Zieh dein Hemd aus. Langsam. Ich habe Zeit, und ab jetzt hast du sie auch.”
Meine Finger waren ungeschickt an den Knöpfen. Ich spürte ihren Blick auf mir, prüfend, ungerührt, und gerade das Fehlen jeder Gier in ihren Augen machte mich verlegener, als ein hungriger Blick es je gekonnt hätte. Sie sah mich nicht an wie einen Mann, den sie begehrte. Sie sah mich an wie etwas, das ihr gehörte und das sie zu ordnen gedachte.
Als ich das Hemd über den Stuhl gelegt hatte, trat sie näher. Sie hob eine Hand und legte einen einzigen Finger unter mein Kinn, hob es an, ganz sanft, bis ich sie ansah.
„Von jetzt an”, sagte sie leise, „gehört dieser Körper für eine Stunde mir. Deine Hände tun, was ich sage. Deine Knie beugen sich, wenn ich es will. Und das hier” — ihr Finger wanderte von meinem Kinn zu meiner Brust, direkt über das Herz, das gegen ihre Fingerspitze schlug — „das hier gehört auch mir. Es rast schon. Braver Junge.”
Braver Junge. Zwei Worte. Ich hätte nicht sagen können, warum sie mir das Rückgrat weich werden ließen, aber sie taten es. Etwas in mir wollte diese zwei Worte wieder hören, immer wieder, wollte alles dafür tun. Ich verstand in diesem Moment, was die Menschen meinen, wenn sie von Hingabe sprechen. Es war kein Verlust. Es war eine Erleichterung, so groß, dass mir fast schwindlig wurde.
„Auf die Knie”, sagte sie und trat einen Schritt zurück.
Ich kniete. Der Boden war hart und kühl unter mir, und ich blieb dort, den Kopf leicht gesenkt, während sie langsam um mich herumging und mich betrachtete wie ein Bild, das sie noch nicht ganz zufriedenstellte.
„Hände auf die Oberschenkel. Handflächen nach oben. Offen.” Sie wartete, bis ich es getan hatte. „So sitzt einer, der bereit ist zu empfangen, was man ihm gibt. Nicht mehr zu nehmen. Nur zu empfangen. Spürst du den Unterschied?”
„Ja, Herrin”, flüsterte ich, und es stimmte. Mit offenen Handflächen auf den Knien war ich ein anderer Mensch. Ich hatte nichts mehr zu greifen, nichts mehr zu steuern. Ich war nur noch da.
Die süße Strenge
Sie stellte sich vor mich, so nah, dass der Stoff ihres Kleides mein Gesicht fast berührte, und ich roch ihr Parfüm, dunkel und teuer, und darunter, ganz schwach, ihre Haut. Ich hielt still. Jede Faser in mir wollte sich vorbeugen, den Kopf an ihr Bein legen, irgendetwas — und genau das durfte ich nicht.
„Du willst dich anlehnen”, sagte sie, als hätte sie meinen Gedanken gelesen. „Ich sehe es. Dein ganzer Körper neigt sich zu mir.” Sie legte eine Hand in mein Haar, nicht sanft, nicht grob, einfach besitzergreifend, und schloss die Finger. „Aber du bewegst dich nicht, bis ich es erlaube. Das ist das Erste, was du lernst. Nicht der Gehorsam, wenn ich etwas befehle. Der Gehorsam, wenn ich nichts befehle. Das Stillhalten, während alles in dir schreit.”
Sie hielt mich am Haar, sanft, unverrückbar, und ich kniete reglos, während die Sekunden sich dehnten. Ich hörte meinen eigenen Atem, schnell und flach. Ich spürte jeden Punkt, an dem ihr Griff meine Kopfhaut berührte. Und langsam, während nichts geschah, geschah alles — die Anspannung in mir kippte in etwas anderes, in eine Wärme, die sich von meinem Bauch nach unten schob, unübersehbar, verräterisch.
Sie sah es. Natürlich sah sie es. Ein feines, zufriedenes Lächeln legte sich um ihren Mund.
„Sieh an”, sagte sie leise. „Und ich habe dich nicht einmal berührt. Nicht dort.” Sie zog meinen Kopf ein wenig zurück, sodass ich zu ihr aufsehen musste. „Das ist der ganze Trick, den die meisten Männer nie begreifen. Ihr glaubt, es geht um Berührung. Um Reibung, um das Ende. Dabei geht es um genau das Gegenteil. Es geht darum, dass ich dir alles verweigere — und du mir dafür dankbar bist.”
„Danke, Herrin”, sagte ich, ehe ich es überhaupt entschieden hatte. Es kam einfach aus mir heraus.
Sie lachte, dieses leise, dunkle Lachen, das ich schon durch die Tür gehört hatte, und jetzt galt es mir, und es fuhr mir durch und durch. „Braver Junge. Du lernst schneller als die meisten.”
Sie ließ mein Haar los und trat einen Schritt zurück. „Steh auf. Langsam. Und rühr dich dabei nicht an.”
Ich stand auf, mit einer Mühe, die nichts mit meinen Beinen zu tun hatte, und blieb vor ihr, die Hände krampfhaft an den Seiten, so hart, dass es beinahe schmerzte, und ich durfte nichts dagegen tun.
„Sieh dich an”, sagte sie sanft und beinahe zärtlich. „So bereit. So ungeduldig. Und so vollkommen in meiner Hand.” Sie ging langsam um mich herum, und ihre Stimme kam mal von vorn, mal von hinten, mal ganz nah an meinem Ohr. „Ich könnte dich jetzt sofort erlösen. Ein Wort, eine Erlaubnis, und du wärst in Sekunden fertig — so weit bist du. Aber genau das werde ich nicht tun. Weißt du, warum?”
„Nein, Herrin.”
„Weil das, was du willst, mir egal ist.” Sie sagte es ohne jede Härte, fast freundlich, und gerade das machte es so wirkungsvoll. „Hier zählt nur, was ich will. Und ich will, dass du lernst zu warten. Dass du das Ziehen aushältst, das Betteln, das Nichterlöstwerden — und dass du dabei begreifst, wie schön es ist, mir zu gehören, statt dir selbst.”
Sie blieb wieder vor mir stehen und legte ihre flache Hand auf meine Brust, spürte mein rasendes Herz.
„Du gehst heute so nach Hause, wie du gekommen bist”, sagte sie. „Ungestillt. Und du wirst die ganze Woche an mich denken, an diese Stunde, an meine Stimme. Du wirst nichts tun ohne meine Erlaubnis — auch zu Hause nicht, auch nicht, wenn niemand zusieht. Das ist deine Aufgabe bis nächste Woche. Kannst du das für mich?”
Die Keuschheit, die Enthaltung, das Warten — es hätte mich abstoßen sollen. Stattdessen fühlte es sich an wie ein Geschenk, wie eine Leine, die mich mit ihr verband, auch wenn wir uns tagelang nicht sähen. „Ja, Herrin”, sagte ich, und ich meinte es.
„Gut.” Sie lächelte. „Sehr gut sogar.”
Manchmal höre ich diese Stimme noch, wenn ich abends allein bin — leise, gelassen, absolut sicher, dass ich gehorchen werde.
Zwischen Strenge und Belohnung
Was sie danach mit mir tat, war ein langsames, kunstvolles Auf und Ab — ein Spiel aus Härte und winzigen Belohnungen, das mich vollständig in ihre Hand legte, ohne dass sie je die Fassung verlor.
Sie ließ mich Dinge tun, kleine, demütigende, gehorsame Dinge. Ich musste sagen, wofür ich dankbar war. Ich musste um Erlaubnis bitten, sie ansehen zu dürfen. Einmal ließ sie mich minutenlang mit geschlossenen Augen knien und nur ihrer Stimme lauschen, während sie mir mit ruhigen Worten beschrieb, was ich für sie war und was ich nicht war, und jeder Satz saß tiefer als der vorige. Ich hatte nie geglaubt, dass Worte allein einen derartigen Sog erzeugen könnten. Ich schwebte irgendwo zwischen Anspannung und einer seltsamen, tiefen Ruhe.
Und dann, immer wenn ich glaubte, es nicht mehr auszuhalten, kam eine winzige Belohnung. Eine Hand kurz in meinem Nacken. Ein braver Junge, hingeworfen wie eine Münze. Einmal erlaubte sie mir, meine Stirn für einen einzigen Atemzug gegen ihr Bein zu legen, und dieser eine erlaubte Moment war intensiver als alles, was ich mir vorher hätte vorstellen können. Ich begriff das System dahinter, während es an mir geschah: Die Strenge machte die Belohnung kostbar. Die Verweigerung machte den kleinsten Zuspruch süß. Sie dosierte beides mit einer Präzision, die mich fassungslos machte.
„Du fragst dich”, sagte sie in einer der Pausen, während sie langsam vor mir auf und ab ging und ich ihr mit den Augen folgen durfte, weil sie es erlaubt hatte, „warum dir das gefällt. Ein erwachsener Mann. Erfolgreich, vermute ich, gewohnt, dass andere nach seiner Pfeife tanzen. Und hier kniest du und dankst mir dafür, dass ich dir etwas verweigere.”
Ich sagte nichts. Ich hatte gelernt, dass sie keine Antwort wollte, wenn sie nicht fragte.
„Es gefällt dir, weil du den ganzen Tag entscheidest”, fuhr sie fort. „Jede Sekunde trägst du das Gewicht, der zu sein, der alles im Griff hat. Und hier, bei mir, darfst du es ablegen. Hier musst du nichts entscheiden. Hier musst du nur eines: gehorchen. Und das ist keine Schwäche, mein Lieber, auch wenn du das dein Leben lang geglaubt hast.” Sie blieb vor mir stehen. „Sich einer Frau anzuvertrauen, die weiß, was sie tut — das erfordert mehr Stärke als jede Kontrolle. Du gibst mir nicht deine Macht. Du gibst mir dein Vertrauen. Und dafür sorge ich dafür, dass du dich sicher fühlst, während du dich verlierst. Das ist der Handel.”
Sie sah mich lange an. „Verstehst du das?”
„Ja, Herrin.” Und zum ersten Mal verstand ich es wirklich — nicht nur mit dem Körper, sondern mit allem.
„Dann sag mir”, sagte sie, und ihre Stimme wurde eine Spur weicher, „gefällt es dir, mir zu gehören?”
„Ja, Herrin.” Meine Stimme war rau. „Sehr.”
„Ich weiß.” Sie lächelte. „Ich weiß es genau.”
Der Nachklang
Als die Stunde vorbei war, spürte ich es, bevor sie es sagte. Etwas in ihrer Haltung veränderte sich, ein feiner Schalter, und die Szene ließ mich sanft wieder los.
„Steh auf”, sagte sie. „Zieh dich an.”
Ich griff nach meinem Hemd, und meine Hände zitterten leicht, nicht vor Angst, sondern vor etwas, für das ich kein Wort hatte. Erschöpfung und Klarheit zugleich. Ich fühlte mich leer und übervoll in einem. Meine Gedanken, sonst ein ständiges Rauschen, waren still. Ganz still.
Sie sah mir beim Anziehen zu, und jetzt lag etwas beinahe Fürsorgliches in ihrem Blick, eine Wärme, die während der Stunde kein einziges Mal aufgeblitzt war. „Das da”, sagte sie und deutete mit dem Kinn auf mich, „dieses Gefühl gerade. Dieses Leichte, Leere. Das behältst du. Das nimmst du mit. Und wenn die Woche dich wieder zermürbt, wenn alle etwas von dir wollen und du wieder der bist, der alles trägt — dann erinnerst du dich, dass es einen Ort gibt, an dem du nichts tragen musst.”
Ich knöpfte das Hemd zu. „Ja, Herrin”, sagte ich, und es fühlte sich seltsam an, jetzt, angezogen, aufrecht, es noch zu sagen — und gleichzeitig vollkommen richtig.
An der Tür drehte ich mich noch einmal um. Ich weiß nicht, was ich sagen wollte. Danke, vielleicht. Oder eine Frage, die ich nicht formulieren konnte.
Sie kam mir zuvor. Sie hatte sich in einen Sessel gesetzt und griff nach einem Buch, ohne mich noch anzusehen, als wäre ich bereits fort.
„Nächste Woche”, sagte sie. „Selbe Zeit. Und du wirst pünktlich sein. Kein Warten mehr — das hast du hinter dir. Von jetzt an wartest du nicht mehr auf mich.” Sie schlug das Buch auf. „Sondern ich prüfe, ob du dich an unsere Abmachung gehalten hast. Und du weißt, was passiert, wenn nicht.”
Es war keine Einladung. Es war keine Frage, ob ich Zeit hätte, ob es mir passte, ob ich wiederkommen wollte. Es war ein Befehl, ruhig ausgesprochen, absolut sicher seiner Wirkung.
„Ja, Herrin”, sagte ich.
Und während ich die Treppe hinunterging, hinaus in einen Nachmittag, der plötzlich zu hell und zu laut war, wusste ich schon zwei Dinge mit vollkommener Gewissheit. Dass ich die ganze Woche an ihre Stimme denken würde, an jede Pause, an jedes braver Junge. Und dass ich nächste Woche pünktlich sein würde — pünktlicher, als ich es je in meinem Leben für irgendetwas gewesen war.
Ich war ihr verfallen. Vollständig. Und das Erschütterndste war nicht, dass es geschehen war.
Das Erschütterndste war, wie sehr ich es wollte.
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