Sissy-Verwandlung – Teil 2: Vorgefuehrt
„Nächsten Freitag kommst du wieder”, hatte Herrin Vivien am Ende des ersten Trainings gesagt — und mich unerlöst nach Hause geschickt, voll, zitternd, den ganzen Abend an sie denkend. Dann zeige ich dir, was Training wirklich bedeutet. Eine Woche lang trug ich dieses Versprechen mit mir herum wie glühende Kohle. Jetzt war der Freitag da, und ich stand wieder vor ihrer Tür.
Im ersten Training hatte Vivien mir beigebracht, was ich bin. Sie hatte mir die Strümpfe angezogen, mich vor den Spiegel gestellt und mich es sagen lassen. Seitdem lag ich abends im Bett und scrollte durch Sissy Captions, diese kleinen Bildunterschriften unter fremden Fotos, die einem sagen, was man ist und was man zu tun hat — und jedes Mal hörte ich Viviens Stimme dazu. Aber ein Foto ist ein Foto. An diesem zweiten Freitag sollte ich lernen, dass Herrin Vivien mit dem Ansehen noch lange nicht fertig war.
Ich heiße Tobias, ich bin einunddreißig. Wenn Vivien mich anzieht, bin ich das, was sie seit dem ersten Freitag ihre Chrissy nennt. Und dies ist der Abend, an dem sie mich vorführte.
Die Nachricht am Freitag
Die Nachricht kam am Freitagmittag, mitten in einem Meeting, und mein Handy vibrierte so leise, dass nur ich es hörte. Ich kannte den Ton. Ich hatte ihn allein für sie eingestellt.
Heute Abend, 20 Uhr. Du kommst rasiert, geduscht, mit dem Koffer. Es sind Gäste da. Du wirst dich benehmen. — V.
Darunter, wie so oft, ein Bild. Eine Sissy Caption, wie ich sie hundertmal gesehen hatte: eine Aufnahme von hinten, ein Mann in Strümpfen, auf Knien, und darüber in geschwungener Schrift der Satz Gute Sissys werden vorgezeigt, nicht versteckt. Vivien schickte mir solche Captions gern. Sie wusste, dass sie in meinem Kopf lauter wurden als jedes gesprochene Wort.
Ich las das Wort Gäste, und mir wurde heiß und kalt zugleich. Bis heute war das hier zwischen uns gewesen. Ihre Wohnung, ihre Regeln, ihre Augen — niemand sonst. Jetzt saß ich in einem Konferenzraum, in Anzug und Krawatte, ein erwachsener Mann von einunddreißig, den seine Kollegen für souverän hielten, und unter dem Tisch zitterten meine Hände.
Ich schrieb zwei Buchstaben zurück. Ja. Dann, nach einer Sekunde, korrigierte ich mich, weil ich wusste, was sie erwartete. Ja, Herrin.
Die Antwort kam sofort. Brav. Um acht.
Den Rest des Tages bekam ich nichts mehr mit. Ich saß in mir selbst wie in einem summenden Raum. Ich wusste, dass ich Nein sagen konnte — das war die erste Regel, die Vivien mir am allerersten Abend eingeschärft hatte, ruhig und ohne jede Drohung: Dein Wort ist rot. Sagst du es, ist sofort Schluss, ohne Diskussion. Genau deshalb sagte ich es nie. Weil es meine Entscheidung war, und weil ich sie längst getroffen hatte.
Der Koffer
Zu Hause packte ich mit dem Ernst eines Mannes, der weiß, dass er beobachtet werden wird. Die halterlosen Strümpfe, die sie ausgesucht hatte. Das kurze schwarze Kleidchen, das ich nie selbst gekauft hätte und ohne das ich mir das Leben inzwischen kaum noch vorstellen konnte. Die Schühchen mit dem kleinen Absatz. Das Halsband aus weichem Leder, das im Nacken einen kleinen Ring hatte, an dem man eine Leine befestigen konnte.
Ich duschte lange und rasierte mich, überall, so glatt, wie sie es verlangte, und meine Finger strichen dabei über die Haut und prüften nach, ob auch nichts entgangen war. Schon dabei war ich halb hart. Das war das Verstörende und das Schöne an dem, was Vivien aus mir machte: Der Gehorsam selbst erregte mich. Nicht erst die Berührung. Das Zurichten für sie.
Vor der Tür ihrer Wohnung stand ich um Punkt acht, den Koffer in der Hand, und atmete einmal tief durch. Von drinnen hörte ich Stimmen. Gläser. Ein Lachen, das ich nicht kannte. Mein Herz schlug mir bis in den Hals.
Dann klingelte ich.
Vorgestellt
Vivien öffnete selbst. Sie trug Schwarz, wie fast immer, eng, hochgeschlossen und trotzdem unmissverständlich, das Haar streng zurückgebunden, und sie sah mich einen langen Moment an, von oben bis unten, so wie man ein Möbelstück prüft, das man bestellt hat.
„Da bist du ja”, sagte sie. „Komm rein. Umziehen. Du weißt, wo.”
Im Schlafzimmer legte ich Anzug und Krawatte ab, Stück für Stück, und mit jedem Kleidungsstück, das fiel, wurde ich mehr zu Chrissy. Die Strümpfe glitten an den Beinen hoch. Das Kleidchen fiel über die Schultern und legte sich kühl an. Ich stand vor ihrem großen Spiegel, schminkte mich, wie sie es mir beigebracht hatte, ruhige Hand, roter Mund, und sah, wie aus dem Mann, den seine Kollegen für souverän hielten, etwas Weicheres, Bereiteres wurde. Zuletzt legte ich mir das Halsband um und schloss es im Nacken.
Als ich ins Wohnzimmer trat, verstummten die Gespräche.
Zwei Frauen und ein Mann saßen dort, alle erwachsen, alle gut angezogen, alle mit Gläsern in der Hand — Viviens Freunde, wie ich später verstand, Menschen aus ihrer Welt, die genau wussten, was hier gespielt wurde und warum. Ihre Blicke fuhren über mich, und ich spürte, wie mir die Röte den Hals hochkroch, bis unter das Make-up.
„Das”, sagte Vivien und trat neben mich, eine Hand leicht in meinem Nacken, am Halsband, „ist Chrissy. Sie hat ein paar Wochen fleißig geübt.” Sie sah mich an. „Nicht wahr.”
„Ja, Herrin”, sagte ich leise.
„Lauter.”
„Ja, Herrin.”
Eine der Frauen lächelte über ihr Glas. „Sie ist hübsch geworden”, sagte sie, als wäre ich nicht ganz im Raum, und genau diese Art, über mich zu reden, statt mit mir, ließ etwas in mir zusammenziehen, das nichts mit Scham zu tun hatte. „Dreh dich mal, Chrissy.”
Ich sah zu Vivien. Immer sah ich erst zu Vivien. Sie nickte kaum merklich.
Ich drehte mich. Langsam, im kleinen Kreis, das kurze Kleidchen an den Schenkeln, und ich spürte vier Augenpaare auf meiner Haut wie Hände. Es war die reinste Form dessen, was Sissy Captions immer versprochen hatten und was ein Bild niemals halten kann: ausgestellt zu sein. Angesehen. Beurteilt. Und dass mein Körper darauf antwortete, konnte unter dem dünnen Stoff niemand übersehen.
„Oh”, sagte der Mann leise und lachte, nicht böse, eher amüsiert. „Ihr gefällt es ja.”
„Natürlich gefällt es ihr”, sagte Vivien, und in ihrer Stimme lag dieser trockene Stolz, den ich über alles liebte. „Dafür ist sie gemacht.”
Vorgeführt
Was dann kam, war kein wildes Durcheinander, sondern etwas Ruhiges, fast Rituelles — und genau das machte es so unerbittlich.
Vivien ließ mich servieren. Ich ging von Gast zu Gast, füllte Gläser nach, hielt die kleine Schale mit den Häppchen, knickste, wie sie es mir vor Wochen beigebracht hatte, und jedes Mal, wenn ich mich vorbeugte, wanderte der Saum des Kleidchens höher, und ich wusste es, und sie alle wussten es. Niemand sagte etwas Grobes. Aber die Blicke waren überall, und die kleinen Bemerkungen — braves Ding, sieh nur, wie sie errötet, Vivien, du hast ganze Arbeit geleistet — legten sich über mich wie eine zweite Haut.
Ich war nie so hart gewesen und nie so hilflos zugleich.
Irgendwann klopfte Vivien neben sich aufs Sofa. „Komm her”, sagte sie. „Zu deiner Herrin.”
Ich kniete mich neben ihre Beine, dorthin, wo ich hingehörte, und sie legte mir eine Hand ins Haar, besitzergreifend, selbstverständlich, während sie mit den anderen weiterredete, als wäre ich ein Hund, ein Möbelstück, ein Schoßtier — und ich lehnte mich in diese Hand und war glücklicher, als ich es in Sitzungssälen je gewesen war.
„Zeig ihnen deine Übung”, sagte sie irgendwann leise, nur zu mir, und ich wusste sofort, was sie meinte.
Sie hatte mir in den Wochen davor beigebracht, ihre Schuhe zu küssen. Nicht als Strafe — als Gruß. Als etwas, das eine gute Sissy tut. Ich beugte mich hinunter, langsam, mit geradem Rücken, wie sie es verlangte, und drückte meine roten Lippen auf das Leder ihres Absatzes, einmal, zweimal, und ich hörte, wie im Raum jemand hörbar den Atem anhielt.
„Braaav”, machte Vivien gedehnt, und dieses Wort fuhr mir durch den ganzen Körper.
Sie ließ mich lange dort unten. Sie redete über meinem Kopf hinweg mit ihren Gästen darüber, wie ich gewesen war, als ich zu ihr kam — steif, verklemmt, ein Mann, der sich selbst nicht zugab, was er wollte — und was aus mir geworden war. Sie sprach über mich wie über ein Projekt, das gelungen ist. Und jedes ihrer Worte war eine Caption, gesprochen statt geschrieben, direkt in mich hinein: Sieh nur, was aus ihr geworden ist. Sieh nur, wie gern sie kniet.
„Willst du beweisen, wie brav du bist?”, fragte sie schließlich und hob mein Kinn mit einem Finger, sodass ich zu ihr aufsehen musste. „Vor allen?”
„Ja, Herrin”, flüsterte ich, und meine Stimme war belegt.
Der Beweis
Sie stellte mich in die Mitte des Raums. Unter das warme Licht der Stehlampe, dorthin, wo mich alle sehen konnten, und dann setzte sie sich wieder zu den anderen, schlug die Beine übereinander und sah mich an, als sei ich der Höhepunkt des Abends. Was ich, wie ich verstand, auch war.
„Fass dich an”, sagte sie ruhig. „Für uns. Nicht schneller, als ich es erlaube.”
Ich hätte sterben können vor Scham. Und genau das war es, was mich beinahe um den Verstand brachte. Ich schob das kurze Kleidchen hoch, ließ es an der Hüfte, und vor vier Augenpaaren begann ich, das zu tun, was ich sonst nur allein im Dunkeln tat, während Viviens Captions über meinen Bildschirm liefen. Nur dass es jetzt nicht dunkel war. Und Vivien kein Bild.
„Langsam”, sagte sie, sobald ich schneller wurde. „Du kommst, wenn ich es sage. Nicht früher. Eine gute Sissy hält, bis ihre Herrin es erlaubt.”
Ich hielt. Ich zitterte, die Beine in den Strümpfen leicht gespreizt, der rote Mund halb offen, und ich hielt, weil sie es befahl. Ich sah in ihre Augen, nur in ihre, während die anderen zusahen, und in ihren Augen las ich etwas, das größer war als Spott. Ich las Stolz. Ich las: Du gehörst mir, und ich zeige dich gern.
„Bitte”, flüsterte ich. „Herrin, bitte.”
Sie ließ mich betteln. Einmal, zweimal. Sie ließ mich es laut sagen, vor allen, was ich bin und wem ich gehöre, und ich sagte es, mit brechender Stimme, und jedes Wort riss eine weitere Mauer in mir ein, hinter der ich mich mein Leben lang versteckt hatte.
Und erst, als nichts mehr von diesen Mauern übrig war, als ich ganz offen dastand, zitternd, ihr ausgeliefert und dabei zum ersten Mal vollkommen bei mir selbst, sagte sie das eine Wort, auf das ich gewartet hatte.
„Jetzt.”
Ich kam, stöhnend, vor allen, unter ihrem Blick, und es war nicht das kurze, schuldige Ding, das ich sonst allein hinter verschlossener Tür erlebte. Es kam aus einer Tiefe, die ich nicht gekannt hatte, und es riss mich so durch, dass ich in die Knie ging und einfach dort blieb, den Kopf gesenkt, atmend, während im Raum eine Stille lag, die fast zärtlich war.
Danach
Was ich nicht erwartet hatte, war die Sanftheit, die danach kam.
Vivien stand auf, ging zu mir, kniete sich vor mich — sie, meine Herrin, kniete sich zu mir auf den Boden — und nahm mein Gesicht in beide Hände. Ihre Daumen wischten mir vorsichtig unter den Augen entlang, wo das Make-up verlaufen war. Sie sah mich an, und in ihrem Blick war jetzt kein Spott mehr und keine Strenge, sondern etwas Warmes, das nur wir beide sahen.
„Sehr gut”, sagte sie leise, nur für mich. „Sehr, sehr gut, Chrissy. Ich bin stolz auf dich.”
Die Gäste verabschiedeten sich nach und nach, freundlich, fast höflich, einer nach dem anderen, und die Frau, die mich hübsch genannt hatte, strich mir im Vorbeigehen kurz übers Haar. Dann waren wir wieder allein, so wie am ersten Abend, nur dass zwischen jenem Abend und diesem eine ganze Verwandlung lag.
Vivien holte eine Decke, legte sie mir um die Schultern, setzte sich neben mich auf den Boden und zog mich an sich. Ich lehnte den Kopf an ihre Schulter, noch immer in Strümpfen und verschmiertem Rot, und spürte, wie mein Herz langsamer wurde.
„War es zu viel?”, fragte sie, und in dieser Frage lag alles, was das hier zwischen uns wirklich ausmachte — dass sie mich führte, ganz und gar, und dass sie trotzdem, immer, nach mir fragte.
„Nein”, sagte ich, und ich meinte es. „Es war genau richtig.”
Sie lachte leise. „Weißt du noch, wie du das erste Mal hier standest? Wie du kaum in den Spiegel sehen konntest?”
Ich nickte an ihrer Schulter.
„Sieh dich jetzt an”, sagte sie und drehte mein Kinn sanft zum Spiegel gegenüber. „Keine Caption der Welt hat dir gezeigt, wer du bist. Ich habe es dir gezeigt.”
Ich sah uns beide dort im Glas — sie aufrecht, ich an sie gelehnt, das Halsband an meinem Hals, der rote Mund, die Strümpfe — und zum ersten Mal, seit das alles begonnen hatte, wich ich meinem eigenen Blick nicht aus. Ich hielt ihn. Ich sah, was ich war, und ich schämte mich nicht mehr dafür.
Das war das Ende meiner Verwandlung. Nicht ein Foto. Nicht ein Befehl. Sondern der Moment, in dem ich in den Spiegel sah und blieb.
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