Sommerjob mit 19: heisser als gedacht
Ich hatte mir den Sommer nach meinem ersten Uni-Jahr harmlos vorgestellt. Ein Ferienjob, ein bisschen Geld für das nächste Semester, Kaffeeduft und höfliches Lächeln über die Theke. Was ich nicht eingeplant hatte, war Jonas. Und ich hätte nie geglaubt, dass eine ganz normale junge Frau wie ich, neunzehn und frisch aus dem Wohnheim, ihren Sommerjob mit einem Nachmittag beenden würde, an den ich noch heute denke, wenn ich die Augen schließe.
Ich heiße Nele. Ich hatte gerade mein erstes Jahr Kommunikationsdesign hinter mir, war neunzehn geworden und wieder in meine Heimatstadt gezogen, in mein altes Zimmer, für zwei Monate. Meine beste Freundin hatte mir den Job in der kleinen Rösterei am alten Hafen besorgt — Espresso mahlen, Bohnen abwiegen, die Vitrine hübsch halten. Ein Sommerjob eben. Harmloser ging es nicht.
Der Stammgast um Punkt neun
Jonas kam jeden Morgen um Punkt neun. Ich lernte, an ihm meine Uhr zu stellen, noch bevor ich seinen Namen kannte. Siebenundzwanzig vielleicht, dachte ich, mit dem ruhigen Gang eines Menschen, der es nie eilig hat. Er trug meistens ein hellblaues Hemd mit hochgekrempelten Ärmeln, arbeitete als Architekt im Büro schräg gegenüber, und er bestellte immer dasselbe: einen doppelten Espresso, kein Zucker, hier getrunken, im Stehen an der Theke.
In der ersten Woche war er nur ein netter Kunde. In der zweiten fing ich an, mich für neun Uhr schön zu machen. Ich merkte es selbst kaum — nur, dass ich morgens länger vor dem Spiegel stand, dass ich das Oberteil wählte, in dem meine Schultern gut aussahen, dass ich mir die Haare offen ließ, obwohl das über der Kaffeemaschine unpraktisch war.
Er hatte diese Art, mich anzusehen, als würde er wirklich zuhören. Wir redeten über nichts Besonderes — über die Bohnen, über die Musik, die ich morgens auflegte, über die Stadt, die er, wie ich, erst seit Kurzem wieder ertrug. Aber jedes Mal, wenn seine Finger die Tasse von mir nahmen und dabei kurz die meinen streiften, zog sich etwas in mir zusammen, das ich vom Studentenleben nur aus Andeutungen kannte.
„Sie machen den besten Espresso der Stadt”, sagte er einmal, und sah mich dabei so lange an, dass ich rot wurde und mich schnell umdrehte, um an der Maschine zu hantieren, die gar nichts zu tun brauchte.
Ich war neunzehn, kein unschuldiges kleines Ding, aber auch nicht die Frau, die ich später in diesem Sommer sein würde. Ich hatte im Wohnheim das eine oder andere erlebt, ungeschickt, hastig, in fremden Zimmern mit dünnen Wänden. Doch die Art, wie dieser ruhige Mann mich ansah, war etwas Neues. Er hatte es nicht eilig — nicht mit dem Espresso, nicht mit mir.
Wie aus Blicken mehr wurde
Es dauerte drei Wochen, bis aus den Blicken Worte wurden, die man nicht mehr harmlos nennen konnte.
Es war ein Freitag, kurz vor Feierabend, drückend heiß. Die anderen waren schon weg, ich schloss allein ab. Jonas kam noch einmal herein, obwohl längst kein Kaffee mehr an der Reihe war.
„Ich hatte gehofft, Sie noch anzutreffen”, sagte er und blieb an der Theke stehen. „Ich fahre morgen für zwei Wochen weg. Und ich wollte nicht fahren, ohne Ihnen einmal etwas zu sagen.”
Mein Herz schlug bis zum Hals. „Und was?”
Er lächelte, aber es war nicht das leichte Lächeln von neun Uhr. „Dass ich jeden Morgen wegen Ihnen komme. Nicht wegen des Espressos.”
Ich stand da, das Geschirrtuch in der Hand, und wusste nicht, wohin mit dem, was in mir hochstieg. Ich hätte etwas Kühles sagen können, etwas Erwachsenes. Stattdessen sagte ich die Wahrheit: „Ich mache mich morgens für neun Uhr schön. Seit zwei Wochen.”
Für einen Moment war es ganz still zwischen uns. Dann kam er um die Theke herum — langsam, damit ich hätte zurückweichen können, wenn ich gewollt hätte. Ich wollte nicht. Er hob die Hand und strich mir eine Strähne aus dem Gesicht, und seine Fingerkuppen an meiner Wange ließen mich zittern.
„Zwei Wochen sind lang”, sagte er leise.
„Dann darfst du nicht fahren, ohne dass etwas passiert ist”, hörte ich mich sagen, und erschrak über meine eigene Kühnheit.
Er küsste mich. Erst vorsichtig, wie eine Frage, dann, als ich mich an ihn drängte, gründlich und ohne Eile. Seine Hände lagen an meinem Rücken, wanderten langsam tiefer, und ich spürte durch den dünnen Sommerstoff, wie sehr er mich wollte. Aber er machte keinen Schritt weiter, als ich zuließ. Er wartete jedes Mal, bis ich ihm entgegenkam — und genau das machte mich wahnsinnig.
Ich zog ihn am Hemd tiefer in den Laden, weg vom Fenster, in den Schatten der Regale. „Nicht hier vorn”, flüsterte ich. „Die Tür ist zu, aber nicht die Vorhänge.”
„Dann zeig mir, wo”, sagte er an meinem Ohr, und seine Stimme war rau geworden.
Der Nachmittag im Hinterraum
Der kleine Lagerraum hinter der Rösterei roch nach frischen Bohnen und nach dem warmen Holz der Regale. Kein Fenster, nur eine kahle Glühbirne und ein alter Ledersessel, in dem sonst mein Chef seine Pausen machte. Ich schloss die Tür hinter uns, und in dem Moment, in dem der Riegel klickte, fiel alle Schüchternheit von mir ab.
Jonas zog mich an sich und küsste mich tiefer als vorn im Laden, seine Hände jetzt endlich fordernder, während er mein Oberteil über den Kopf streifte. Er hielt einen Moment inne und sah mich an, halb entkleidet im warmen Licht, und der Blick allein machte mich nasser, als es jeder ungeschickte Junge im Wohnheim je geschafft hatte.
„So schön hab ich mir das vorgestellt”, murmelte er. „Und noch besser.”
Ich zerrte an seinen Hemdknöpfen, ungeduldig, und lachte kurz auf, als einer davonsprang. Seine Haut war warm, sein Körper fester, als das hellblaue Hemd hatte ahnen lassen. Er schob mich sanft rückwärts, bis ich am Rand des alten Sessels saß, kniete sich vor mich und zog mir mit quälender Langsamkeit den Rock über die Hüften. Als seine Lippen die Innenseite meines Oberschenkels fanden, biss ich mir auf die Hand, um nicht zu laut zu werden — der Laden war zu, aber die Wände dünn.
Er ließ sich Zeit. So viel Zeit. Seine Zunge fand mich langsam, umkreiste, wartete, bis meine Hüften ihm von selbst entgegenkamen, und erst dann gab er mir mehr. Ich hatte nie gewusst, dass ein Mann so geduldig sein konnte, so darauf aus, dass ich zuerst kam. Ich krallte meine Finger in seine Haare, drückte ihn fester an mich, und als die Welle mich erfasste, war es lauter, als ich es hatte sein lassen wollen. Ich zitterte am ganzen Körper, und er blieb, bis das letzte Beben durch mich gegangen war.
Dann zog ich ihn zu mir hoch, atemlos, und flüsterte an seinem Mund: „Jetzt du. Ich will dich spüren.”
Er holte etwas aus seiner Hosentasche, riss die kleine Verpackung auf, und ich sah ihm dabei zu, wie er sich bereit machte, mit einer Selbstverständlichkeit, die mich noch heißer werden ließ. Dann hob er mich hoch, als wöge ich nichts, und ich schlang die Beine um seine Hüften, den Rücken an das kühle Regal gelehnt.
Als er in mich glitt, hielten wir beide den Atem an. Langsam, immer noch langsam, ließ er mich jeden Zentimeter spüren, und ich vergrub mein Gesicht in seiner Schulter, um nicht laut zu stöhnen. Erst als ich mich an ihm rieb, ungeduldig, fordernder, gab er nach und bewegte sich schneller. Das Regal knarrte leise im Takt, die Bohnendüfte mischten sich mit Schweiß und Haut, und ich hörte mich Dinge sagen, die ich nie zuvor laut gesagt hatte.
„Nicht aufhören”, keuchte ich. „Bitte, genau so.”
Er trug mich zum Sessel, setzte sich, und ich sank rittlings auf ihn, übernahm die Führung, bestimmte das Tempo. Seine Hände lagen an meinen Hüften, aber er ließ mich machen, sah zu mir auf mit diesem dunklen, fast ehrfürchtigen Blick, während ich mich auf ihm bewegte. Neunzehn und plötzlich vollkommen sicher in dem, was mein Körper wollte. Ich beugte mich vor, küsste ihn, richtete mich wieder auf, und als ich das zweite Mal kam, riss ich ihn mit über die Kante. Er stöhnte meinen Namen in meine Halsbeuge, seine Finger gruben sich in meine Haut, und für einen langen Moment gab es nichts als unseren keuchenden Atem in dem kleinen, warmen Raum.
Was von diesem Sommer blieb
Danach saßen wir eine Weile einfach da, ich auf seinem Schoß, seine Hand träge auf meinem Rücken. Draußen wurde es langsam Abend, das goldene Licht kroch unter der Tür durch. Ich lachte leise, ungläubig über mich selbst.
„Und du fährst wirklich morgen?”, fragte ich.
„Ich fürchte, ja.” Er strich mir über die Wange. „Aber ich komme wieder. Und um Punkt neun stehe ich wieder an deiner Theke.”
Die zwei Wochen zogen sich hin wie zäher Honig. Ich machte meinen Job, mahlte Espresso, lächelte über die Theke — und dachte den ganzen Tag an den Ledersessel im Hinterraum, an seine geduldigen Hände, an die Art, wie er gewartet hatte, bis ich ihm entgegenkam. Nachts lag ich in meinem alten Kinderzimmer und ließ die Erinnerung noch einmal von vorn ablaufen, langsam, so wie er es getan hatte.
Als er zurückkam, war es kein einmaliger Nachmittag geblieben. Wir sahen uns den ganzen restlichen Sommer, mal bei ihm, mal spät im geschlossenen Laden, wenn die anderen weg waren. Es war nichts Großes, nichts für die Ewigkeit — wir wussten beide, dass ich im September zurück an die Uni gehen würde, in mein anderes Leben. Aber es war ehrlich, es war heiß, und es gehörte nur uns.
Ich bin diese junge Frau aus der Geschichte längst nicht mehr — inzwischen bin ich fertig mit dem Studium und wohne drei Städte weiter. Doch wenn ich irgendwo den Duft frisch gemahlener Bohnen rieche, bin ich sofort wieder neunzehn, an einem drückend heißen Freitag, mit dem Riegel, der hinter uns ins Schloss klickt. Ich hatte mir den Sommer harmlos vorgestellt. Er war das Gegenteil davon — und ich würde keinen Tag davon zurücktauschen.
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