Offene Beziehung: mein erster Cuckold-Abend

Stimmungsbild zu „Offene Beziehung: mein erster Cuckold-Abend"

Diese Sexgeschichte über Cuckold beginnt nicht mit einem Geständnis im Dunkeln, sondern mit einem Kalendereintrag. „Donnerstag, 20 Uhr, Julian” stand da, in Sonjas Handschrift, an unserem Kühlschrank, zwischen der Einkaufsliste und einer Postkarte vom letzten Urlaub. So sachlich, so selbstverständlich. Und ich, ihr Mann, stand davor mit dem Kaffeebecher in der Hand und spürte, wie mir das Herz bis in den Hals schlug.

Ich heiße Tobias, ich bin achtunddreißig. Sonja und ich sind seit sechs Jahren zusammen, seit dreien führen wir unsere Beziehung offen. Das war ihre Idee gewesen, und ich hatte lange gebraucht, um zu verstehen, dass es meine tiefste Sehnsucht traf. Bis zu diesem Donnerstag hatte ich nie zugesehen. Ich hatte davon gewusst, es geschehen lassen, ihr danach zugehört. Aber ich war nie im Zimmer gewesen.

Heute Abend würde ich es sein.

Wie unsere offene Beziehung begann

Man stellt sich eine offene Beziehung wild vor, chaotisch, ein bisschen kaputt. Unsere war das Gegenteil. Sie war das Ehrlichste, was ich je hatte.

Es hatte angefangen mit einem Satz von Sonja, an einem faulen Sonntagnachmittag, halb im Scherz: „Stört es dich eigentlich, dass Männer mich ansehen?” Und ich, statt eifersüchtig zu werden, hatte etwas Merkwürdiges gefühlt — einen warmen Stolz, fast eine Erregung. Ich mochte es, dass sie begehrt wurde. Ich mochte den Gedanken, dass andere wollten, was mir gehörte. Und irgendwann, viele Gespräche später, hatte ich zugegeben, was noch tiefer lag: dass mich der Gedanke, sie einem anderen zu überlassen, härter machte als alles sonst.

Sonja hatte mich nicht ausgelacht. Sie hatte mich angesehen, lange, und dann gesagt: „Dann lass uns ehrlich sein. Beide.”

So wurden wir offen. Nicht heimlich, nicht als Notlösung, sondern als etwas, das wir gemeinsam bauten. Sie hatte ihre Verabredungen, ich wusste davon, wir redeten über alles. Und jedes Mal, wenn sie abends aus der Tür ging, in dem Kleid, das ich ausgesucht hatte, blieb ich zurück mit einem Cocktail aus Sehnsucht, Stolz und dieser dunklen, süßen Erregung, die ich lange nicht hatte benennen können.

Julian kannte sie seit ein paar Wochen. Sie hatte ihn zweimal getroffen, war beide Male mit leuchtenden Augen heimgekommen und hatte mir im Bett zugeflüstert, was er mit ihr gemacht hatte, bis ich es nicht mehr aushielt. Und irgendwann, zwischen zwei Küssen, hatte sie es gesagt.

„Willst du dabei sein, Tobias? Nicht mitmachen. Nur zusehen. Ich will, dass du siehst, was du mir schenkst.”

Der Kalendereintrag am Kühlschrank

Die Tage bis zum Donnerstag waren eine einzige, langsame Folter. Die schönste, die ich kenne.

Ich ertappte mich, wie ich mitten in einer Besprechung an den Kalendereintrag dachte. Donnerstag, 20 Uhr, Julian. Ich stellte mir vor, wie Sonja sich vorbereiten würde, welches Kleid, welche Wäsche darunter — die ich ihr diesmal selbst hinlegen durfte, hatte sie gesagt, als kleines Geschenk. Der Gedanke, dass ich die Frau, die ich liebte, für einen anderen Mann herrichten sollte, ließ mich jedes Mal den Atem anhalten.

Am Mittwochabend legten wir die Regeln fest, so wie wir es immer taten. Ich sitze im Sessel in der Ecke. Ich fasse nichts an — weder sie noch mich —, solange sie es mir nicht ausdrücklich erlaubt. Kondom, ohne Diskussion. Und das Wort, das alles sofort beendet, kannten wir alle drei. Julian, sagte Sonja, sei damit vollkommen einverstanden. Er wolle es sogar. „Er mag den Gedanken, dass du zusiehst”, sagte sie und beobachtete mein Gesicht dabei. „Fast so sehr wie ich.”

Ich schlief in dieser Nacht kaum. Neben mir atmete Sonja ruhig, und ich lag wach und dachte daran, dass ich am nächsten Abend im selben Zimmer sitzen würde, im Sessel, während ein anderer Mann tat, was sonst nur ich tat.

Der Sessel in der Ecke

Julian kam um Punkt acht. Ich hatte ihm die Tür geöffnet — das hatten wir so gewollt, kein Versteckspiel — und ihm die Hand gegeben, und seine war trocken und fest und sein Blick offen. „Danke”, sagte er leise, nur zu mir. „Dass ich hier sein darf. Bei euch beiden.” Dieses euch beiden nahm mir die letzte Anspannung. Er wusste, worauf er sich einließ. Er wusste, dass Sonja meine Frau war.

Dann kam Sonja aus dem Schlafzimmer, in dem dunkelblauen Kleid, das ich für sie hingelegt hatte, und ich sah, wie Julians Blick sich veränderte, und ich sah, wie sie das genoss — und zu meiner eigenen Überraschung genoss ich es auch.

Ich zog mich in den Sessel zurück, in die Ecke, wie besprochen. Und die beiden begannen.

Es war langsam. Viel langsamer, als ich gedacht hatte. Julian nahm sich Zeit, als wüsste er, dass ich jede Sekunde in mir aufnahm. Er zog Sonja an sich, küsste sie, und ich sah, wie sich ihr Körper an ihn schmiegte, wie ihre Hände in sein Hemd fuhren. Er streifte den Träger ihres Kleides von der Schulter, küsste die freigewordene Haut, und Sonja schloss die Augen und ließ einen Laut hören, den ich kannte — meinen Laut, dachte ich zuerst, und dann: nein, einfach ihren, und der gehörte in diesem Moment ihm.

Mein Herz raste. Ich saß da, die Hände auf den Armlehnen, und rührte mich nicht. Das Kleid glitt zu Boden. Darunter trug sie die Wäsche, die ich ausgesucht hatte, und ich sah, wie Julian innehielt, um sie anzusehen, und ich dachte: Das habe ich getan. Ich habe sie so hergerichtet. Für ihn. Der Gedanke traf mich wie ein Schlag, heiß und schwindelig, und ich spürte, wie hart ich schon war, ohne mich auch nur berührt zu haben.

Sonja sah zu mir herüber. Nur einen Moment, über Julians Schulter hinweg. Und in ihrem Blick lag alles — ich liebe dich, sieh mich an, sieh, was du mir schenkst. Dann zog Julian sie aufs Bett, und sie ließ es geschehen.

Was ich sah

Ich hatte gedacht, das Schwerste würde die Eifersucht sein. Aber da war keine. Da war etwas anderes, viel Größeres, für das ich lange kein Wort hatte.

Ich sah, wie Julian sich über sie beugte, wie er mit dem Mund an ihr hinabwanderte, und ich sah Sonjas Rücken sich vom Laken heben. Ich hörte sie — dieselben Laute, die ich sonst so nah an meinem Ohr hatte, jetzt aus zwei Metern Entfernung, für einen anderen. Und statt dass es mich zerriss, füllte es mich. Ich war stolz auf sie. Ich war stolz, dass die Frau, die neben mir aufwacht, so begehrenswert war, dass ein anderer Mann vor Verlangen den Atem verlor. Sie gehörte mir — gerade in diesem Moment, in dem sie einem anderen gehörte, gehörte sie mir vollständiger als je zuvor.

Sie drehte den Kopf zu mir. „Sieh mich an”, flüsterte sie, heiser, während Julian das Kondom überstreifte. „Nicht wegsehen. Ich will, dass du alles siehst.”

Ich sah alles. Ich sah, wie er langsam in sie glitt, sah, wie sich ihr Mund öffnete, sah, wie sie die Beine um ihn schloss und ihn tiefer zog. Ich hörte, wie sie lauter wurde, ungehemmter, als kenne sie mich nicht, und genau das war es, was ich wollte — dass sie sich gehen ließ, dass sie es nahm, dass sie sich nicht für mich zurückhielt. Julian bewegte sich in ihr, und Sonjas Blick fand immer wieder meinen, hielt ihn fest, und zwischen uns spannte sich ein Faden, straffer und inniger als alles, was ich je bei ganz gewöhnlichem Sex mit ihr erlebt hatte.

„Berühr dich”, sagte Sonja atemlos zu mir. Die Erlaubnis. Ich hatte darauf gewartet wie ein Verdurstender. Ich öffnete meine Hose, und schon die erste Berührung ließ mich fast aufstöhnen. Ich sah zu, wie ein anderer meine Frau nahm, und ich gab mir selbst, was mein Körper seit Stunden verlangte, langsam, im Takt ihrer Laute.

Julian merkte es, sah kurz zu mir und dann zurück zu Sonja, und etwas in seinem Rhythmus wurde dringlicher. „Er sieht zu”, flüsterte er ihr ins Ohr, gerade laut genug, dass ich es hörte. „Dein Mann sieht dir zu. Zeig ihm, wie sehr du es willst.” Und Sonja stöhnte auf, laut, hemmungslos, und ich wusste, das galt uns beiden.

Danach

Als Sonja kam, kam sie mit offenen Augen, den Blick auf mir, und mein Name war irgendwo in dem Laut, den sie machte, verborgen unter allem anderen. Kurz darauf spürte ich, wie es auch mich überrollte, still, in meiner Faust, während ich ansah, wie meine Frau sich unter einem anderen Mann verlor.

Julian war danach kein bisschen plump. Er ließ ihr Zeit, hielt sie, murmelte etwas, das ich nicht verstand und auch nicht verstehen musste. Dann stand er auf, diskret, zog sich zurück ins Bad. Und Sonja, verschwitzt, mit strahlenden Augen, streckte die Hand nach mir aus.

„Komm her”, sagte sie.

Ich kniete am Bett, und sie zog mein Gesicht zu ihrem und küsste mich, tief, so als wollte sie mir alles zurückgeben, was sie gerade einem anderen gegeben hatte. „Danke”, flüsterte sie. „Dass du zugesehen hast. Dass du mir das schenkst. Weißt du, wie sehr ich dich dafür liebe?”

Ich wusste es. Ich wusste es zum ersten Mal ganz.

Später, als Julian gegangen war, mit einem ehrlichen Händedruck und einem leisen „bis bald”, lagen Sonja und ich im zerwühlten Bett, und sie legte den Kopf auf meine Brust. Draußen war es längst dunkel, das Kleid lag noch auf dem Boden, wo es hingefallen war.

„War es, wie du dachtest?”, fragte sie.

Ich dachte an den Sessel, an den Faden zwischen unseren Blicken, an den Stolz, der mich gefüllt hatte statt der Eifersucht, die ich gefürchtet hatte. Ich dachte daran, dass unsere offene Beziehung an diesem Abend etwas geworden war, das sie vorher nicht gewesen war — nicht ferner, sondern näher.

„Nein”, sagte ich und zog sie enger an mich. „Es war besser.”

Sie lächelte an meiner Haut. „Nächsten Donnerstag”, murmelte sie schon halb im Schlaf, „schreib du den Eintrag.”

Und ich lag wach, lange, mit meiner Frau in den Armen, und dachte an einen Kalender am Kühlschrank und daran, dass ich mich noch nie so verheiratet gefühlt hatte wie an dem Abend, an dem ich meine Frau einem anderen überließ.