Eine Kreuzfahrt ins Hotwife-Glueck

Stimmungsbild zu „Eine Kreuzfahrt ins Hotwife-Glueck"

Die Idee kam nicht auf dem Schiff. Sie kam an dem Abend, an dem wir die Kabine buchten — Jonas hinter mir am Laptop, sein Kinn auf meiner Schulter, während auf dem Bildschirm ein Balkon leuchtete, hinter dem sich das Mittelmeer bis zum Horizont zog. „Sieben Nächte”, sagte er leise, „auf einem Schiff, wo uns keiner kennt.” Und dann, noch leiser, den Satz, der aus einer normalen Sexgeschichte auf einer Kreuzfahrt etwas ganz anderes machte: „Wäre das nicht der Ort, an dem du es endlich tust — und ich zusehe?”

Ich bin Nina, sechsunddreißig, seit sechs Jahren mit Jonas verheiratet. Was zwischen uns seit über einem Jahr im Dunkeln geflüstert wurde, sollte auf hoher See zum ersten Mal wahr werden. Das ist die Geschichte davon, wie ich auf einer Kreuzfahrt zum ersten Mal wirklich eine Hotwife wurde — vor den Augen des Mannes, der mich dazu machte.

Der erste Abend an Bord

Wir liefen aus, als die Sonne rot über Barcelona hing. Ich stand an der Reling, den Wind im Kleid, und spürte, wie das Schiff unter meinen Füßen zu vibrieren begann, ein tiefes, gleichmäßiges Beben, das mir bis in den Bauch stieg. Jonas legte seine Hand in meinen Rücken, dort, wo das Kleid keinen Stoff mehr hatte.

„Du hast es dabei”, stellte er fest. Keine Frage.

Ich nickte. Unter dem Kleid trug ich nichts. Das war die erste Regel gewesen, die wir aufgeschrieben hatten, an jenem Abend am Küchentisch, als aus dem Flüstern ein Plan wurde: An Bord entscheide ich. Jonas ist immer in der Nähe, aber er greift nicht ein. Und es bleibt auf dem Schiff — sieben Nächte lang eine andere Frau sein, um danach wieder ganz seine zu werden.

„Ich weiß noch nicht, ob ich es kann”, sagte ich ehrlich.

„Du musst nichts”, sagte er und küsste meinen Nacken. „Du darfst.”

An diesem ersten Abend passierte nichts weiter als ein Blick. Wir aßen im großen Restaurant, und zwei Tische weiter saß ein Mann allein, dunkles Haar, ein ruhiges Lächeln, das er mir einmal schenkte, als sich unsere Augen trafen. Ich hielt den Blick eine Sekunde zu lang. Unter dem Tisch drückte Jonas mein Knie, und als ich zu ihm sah, waren seine Pupillen groß und dunkel.

„Du hast gerade jemanden angesehen”, flüsterte er, „wie du früher mich angesehen hast.”

„Stört dich das?”

„Nein”, sagte er, und ich hörte an seiner Stimme, wie hart ihn allein der Gedanke machte. „Es bringt mich um. Auf die schönste Art.”

In dieser Nacht nahm ich Jonas in unserer engen Kabine, das Bullauge schwarz und voller Sterne, und während er in mir war, beschrieb ich ihm den fremden Mann. Wie er wohl schmecken würde. Wie er mich anfassen würde, langsamer oder gieriger als Jonas. Mein Mann kam so heftig, dass er hinterher lachend nach Luft rang und sagte: „Wir haben noch sechs Nächte. Ich überlebe das nicht.”

Sonne, Salz und ein wachsender Hunger

Am nächsten Tag lagen wir am Pooldeck, und ich spürte zum ersten Mal, was das Schiff mit mir machte. Hier kannte mich niemand. Keine Kollegin, keine Nachbarin, kein Blick, der mich in mein normales Leben zurückholte. Ich war nur eine Frau im schwarzen Bikini, die Sonne auf der Haut, ein Glas Prosecco in der Hand — und die spürte, wie Männeraugen über sie glitten, und die es zum ersten Mal zuließ.

Jonas lag neben mir und tat, als läse er. Aber ich merkte, wie er jeden Blick registrierte, der auf mir landete. Als ich mir vom Kellner Öl bringen ließ und Jonas bat, mir den Rücken einzucremen, tat er es langsam, vor allen, und flüsterte dabei: „Der am Whirlpool sieht dich seit zehn Minuten an. Soll ich weggehen, damit er sich traut?”

Ein Schauer lief mir über den Rücken, der nichts mit der kühlen Creme zu tun hatte.

„Noch nicht”, sagte ich. Aber meine Stimme zitterte.

Es war der Mann vom Vorabend, der es schließlich schaffte. Am dritten Seetag, an der Poolbar. Ich stand allein am Tresen — Jonas hatte sich, wie besprochen, an ein Stehtischchen zurückgezogen, ein Bier vor sich, die Rolle des Fremden, der zufällig hier ist — als sich der dunkelhaarige Mann neben mich stellte und den Barkeeper etwas fragte. Er stellte sich als Marco vor, Architekt aus Mailand, allein an Bord. Seine Stimme war warm und unaufgeregt, und als er lachte, legte er ganz kurz seine Hand auf meinen Unterarm.

Ich sah nicht zu Jonas. Ich musste nicht. Ich spürte seinen Blick quer über das Deck wie eine Berührung.

„Sind Sie allein hier?”, fragte Marco.

Ich drehte mein Glas in der Hand. „Mein Mann ist an Bord”, sagte ich. Und dann, weil das Schiff mir Mut machte und die Sonne und der ganze weite blaue Horizont: „Er weiß, dass ich hier stehe. Und er hat nichts dagegen.”

Marco verstand schneller, als ich erwartet hatte. Sein Lächeln veränderte sich, wurde eine Spur dunkler, wissender. Er sah einmal kurz hinüber zu dem Mann am Stehtisch, der sein Bier nicht anrührte, und dann wieder zu mir. „Ein Glückspilz”, sagte er leise. „Und ein kluger Mann.”

Die Nacht auf dem Balkon

Wir trafen uns nach Mitternacht. Der Plan war einfach und Marco kannte ihn: unsere Kabine, unser Balkon, und Jonas dabei — nicht als Störung, sondern als der, für den das alles geschah.

Ich hatte das rote Kleid an, das Jonas mir zum ersten Hochzeitstag geschenkt hatte, und darunter wieder nichts. Als es an der Tür klopfte, saß Jonas bereits auf dem Sessel in der Ecke, angezogen, ruhig, die Hände auf den Knien, und seine Augen suchten meine. Ich bin hier, sagten sie. Ich sehe alles. Mach es.

Marco trat ein, nickte Jonas zu — kein plumpes Übersehen, sondern ein ehrlicher Blick, der meinen Mann einschloss —, und dann sah er nur noch mich. Er nahm sich Zeit. Das war es, was mich sofort verlor: Er hatte es nicht eilig. Seine Finger fanden den Reißverschluss an meiner Seite und zogen ihn langsam nach unten, Zentimeter für Zentimeter, während das Schiff sanft unter uns rollte und durch die offene Balkontür das Rauschen des Meeres kam.

Das Kleid fiel. Ich stand nackt zwischen zwei Männern — dem, der mich seit Jahren kannte, und dem, der mich zum ersten Mal sah — und ich hatte noch nie in meinem Leben so gebrannt.

Marco küsste meinen Hals, meine Schulter, arbeitete sich hinunter, und als er vor mir auf die Knie ging und mich mit dem Mund fand, hörte ich aus der Ecke Jonas’ Atem stocken. Ich sah zu ihm hinüber, während ein fremder Mann mich schmeckte, und der Ausdruck auf dem Gesicht meines Mannes — dieses Gemisch aus Qual und nackter, atemloser Erregung — schob mich höher, als Marcos Zunge es allein gekonnt hätte. Ich hielt Jonas’ Blick, während meine Beine zu zittern begannen, und ich sagte, nur für ihn: „Sieh her. Sieh genau her.”

Marco führte mich zum Bett, und ich zog ihn mit mir. Als er das Kondom überstreifte — auch das eine unserer Regeln, keine Diskussion —, sah ich noch einmal zu Jonas. Er nickte kaum merklich. Ja. Ich will es sehen.

Marco glitt in mich, langsam, und ich stöhnte laut auf, lauter, als ich es je bei Jonas getan hatte, und ich wusste, dass mein Mann jeden Laut hörte, jeden speicherte. Marco nahm mich gründlich, ohne Hast, drehte mich irgendwann auf alle viere, sodass ich Jonas ansehen musste, während ein anderer hinter mir war. Ich streckte meine Hand nach meinem Mann aus, und er ergriff sie, hielt sie fest, während der Fremde uns beide zum Beben brachte. „Du bist so schön so”, flüsterte Jonas heiser. „So habe ich dich noch nie gesehen.”

Ich kam mit seiner Hand in meiner und einem anderen Mann tief in mir, und ich hörte mich Dinge sagen, die ich mir vorher nie zugetraut hätte. Marco folgte kurz darauf, mit einem tiefen Laut an meinem Nacken.

Was danach geschah

Als Marco gegangen war — höflich, ohne Anspruch, mit einem letzten Nicken zu Jonas —, lagen mein Mann und ich in der schmalen Koje, das Meer noch immer im Ohr, und einen langen Moment sagte keiner ein Wort. Ich hatte Angst vor diesem Moment gehabt. Vor dem Danach. Vor der Reue, die kommen könnte, sobald die Hitze verflogen war.

Sie kam nicht.

Jonas zog mich an sich, und ich spürte, dass er wieder hart war, allein vom Nachhall des Gesehenen. „Erzähl es mir”, flüsterte er. „Alles. Wie es sich angefühlt hat.”

Und ich erzählte. Wie fremd Marcos Hände gewesen waren und gerade deshalb so erregend. Wie ich die ganze Zeit seinen Blick gesucht hatte. Wie ich es nicht für Marco getan hatte, sondern für ihn, für Jonas, für den Mann, dessen Frau ich war und dessen Frau ich gerade dadurch noch mehr geworden war. Während ich sprach, nahm er mich, langsam und tief, und als wir beide zum zweiten Mal in dieser Nacht kamen, flüsterte er an meinem Ohr: „Danke. Danke, dass du es warst.”

Wir hatten noch vier Nächte. Aber schon in dieser wussten wir beide: Das hier war nicht das Ende von etwas gewesen. Es war ein Anfang. Auf dem Schiff kannte uns keiner, und deshalb hatten wir uns selbst gefunden — den Teil von uns, der jahrelang im Dunkeln geflüstert hatte und der jetzt, mitten auf dem Mittelmeer, endlich Licht bekommen hatte.

Am Morgen standen wir wieder an der Reling, die Sonne warm, das Wasser tiefblau bis zum Rand der Welt. Jonas legte seine Hand in meinen nackten Rücken, dort, wo das Kleid keinen Stoff hatte.

„Bereust du es?”, fragte ich.

Er lachte leise, dieses tiefe, glückliche Lachen, das ich seit Jahren liebte. „Nein”, sagte er. „Ich frage mich nur, ob es dieselbe Kabine für nächstes Jahr noch gibt.”

Und ich, die Frau, die auf hoher See herausgefunden hatte, wer sie wirklich sein wollte, lehnte mich an meinen Mann und sah aufs offene Meer hinaus, wo alles möglich war.