Ein Dreier unter Freunden

Stimmungsbild zu „Ein Dreier unter Freunden"

Es gibt Sätze, die man nicht mehr zurücknehmen kann, sobald sie im Raum stehen. Bei uns war es ein einziger, halb im Scherz gesagt, an einem Freitagabend, an dem der Regen so gegen die Fenster trommelte, dass keiner von uns dreien nach Hause wollte. Und aus diesem Satz wurde der erste Dreier unter Freunden, den ich je erlebt habe — mit den zwei Menschen, die ich ohnehin am besten kannte auf der Welt.

Ich heiße Nina, ich bin neunundzwanzig, und Jonas und Ben kenne ich, seit wir zusammen studiert haben. Seit Jahren dieselbe Konstellation: drei Leute, ein Sofa, zu viel Wein, kein Filter mehr. Wir hatten uns immer alles erzählt. Ich dachte, ich wüsste alles über die beiden. Ich wusste nicht, was in dieser Nacht passieren würde.

Der Abend, an dem der Regen nicht aufhörte

Wir saßen in Jonas’ Wohnzimmer, Kerzen, eine leere und eine halbleere Flasche, das Gespräch längst an dem Punkt, an dem man sich Dinge sagt, die man sich sonst nicht sagt. Ben lag quer über dem Sessel, ich hatte die Beine über Jonas’ Schoß gelegt, wie immer, ohne dass es je etwas bedeutet hätte.

Irgendwann kamen wir auf das Thema, auf das betrunkene Freunde nachts immer kommen. Was man schon mal gemacht hat. Was man nie machen würde. Und was man insgeheim doch würde.

„Und ihr zwei?”, fragte Ben mit diesem schiefen Grinsen. „Hattet ihr nie was miteinander? Ehrlich?”

Jonas und ich sahen uns an. Und in diesem Blick, eine Sekunde zu lang, lag plötzlich etwas, das vorher nicht dagewesen war. Oder immer da gewesen war und nur nie hatte auftauchen dürfen.

„Nein”, sagte ich. Und dann, weil der Wein ehrlicher war als ich: „Aber ich hab schon mal drüber nachgedacht.”

Es wurde still. Nur der Regen.

„Über wen von uns beiden?”, fragte Ben leise, und das Grinsen war weg.

Ich hätte lachen können. Ich hätte es zu einem Witz machen können. Stattdessen hörte ich mich sagen: „Über euch beide.”

Als aus dem Scherz Ernst wurde

Keiner sagte etwas. Ben richtete sich langsam im Sessel auf. Jonas’ Hand, die die ganze Zeit locker auf meinem Schienbein gelegen hatte, wurde plötzlich schwer, bewusst, ich spürte jeden einzelnen Finger.

„Das war ein Witz”, sagte ich. Aber meine Stimme trug ihn nicht.

„War es das?”, fragte Jonas.

Ich sah ihn an, diesen Freund, den ich seit acht Jahren kannte, und sah ihn zum ersten Mal wie einen Mann. Die Art, wie sich sein Kiefer bewegte. Wie seine Finger sich enger um mein Bein legten. Und ich sah zu Ben hinüber, der mich ansah, als würde er darauf warten, dass ich die Grenze ziehe, die uns alle zurück ins Sichere holt.

Ich zog sie nicht.

„Wenn es kein Witz wäre”, sagte ich, und mein Herz schlug bis in den Hals, „was würdet ihr dann tun?”

Ben stand auf. Kam langsam zum Sofa. Setzte sich auf die andere Seite, sodass ich zwischen ihnen lag, meine Beine über Jonas, mein Rücken jetzt an Bens Brust. Ich konnte seinen Atem an meinem Nacken spüren.

„Das”, sagte Ben. Und seine Lippen berührten die Stelle unter meinem Ohr, ganz leicht, eine Frage, kein Anspruch.

Ich zitterte. Nicht aus Angst. Ich drehte den Kopf, und Ben küsste mich, langsam, und ich schmeckte den Wein auf seiner Zunge, und gleichzeitig legte sich Jonas’ Hand höher, über mein Knie, an die Innenseite meines Oberschenkels, und ich hörte mich in Bens Mund hinein stöhnen, ehe überhaupt richtig etwas passiert war.

Vier Hände, die wussten, was sie taten

Das Verrückte war, wie gut sie sich abstimmten, ohne ein Wort. Als hätten sie es schon hundertmal getan. Während Ben mich küsste und mir mit einer Hand das T-Shirt über den Kopf zog, schob Jonas mir langsam den Rock hoch, und seine Finger fanden mich über dem dünnen Stoff, der schon feucht war, viel zu feucht für jemanden, der noch vor zehn Minuten „das war ein Witz” gesagt hatte.

„Sie ist schon ganz nass”, sagte Jonas leise, fast ungläubig, und Ben lachte an meinem Hals, dunkel.

„Natürlich ist sie das”, flüsterte Ben. „Sie hat das seit Jahren gewollt.”

Ich wollte protestieren, aber Jonas schob den Stoff zur Seite und seine Finger glitten über mich, und aus dem Protest wurde ein Laut, den ich noch nie von mir gehört hatte. Zwei Männer, die mich kannten — nicht nur meinen Körper, den sie gerade erst entdeckten, sondern mich —, und die mich gleichzeitig berührten, jeder auf seine Art. Ben zog mir den BH aus und nahm meine Brüste in beide Hände, seine Daumen über den Spitzen, während Jonas zwei Finger langsam in mich schob und mit dem Daumen Kreise zog, bis ich die Hüften hob und ihm entgegenkam.

Ich lag zwischen meinen beiden besten Freunden, halb nackt, und hatte keinen einzigen Gedanken mehr an ein Zurück.

„Sag, was du willst”, murmelte Jonas an meinem Ohr. „Heute Abend bekommst du alles.”

Zwischen ihnen

Ich glitt vom Sofa auf den Teppich, zog beide mit mir hinunter. Ben kniete sich hinter mich, ich spürte ihn hart durch seine Jeans an meinem Rücken, und Jonas kniete vor mir, und ich öffnete ihm den Gürtel mit Fingern, die kaum stillhielten. Als ich ihn in den Mund nahm, stöhnte er tief auf und vergrub eine Hand in meinem Haar, nicht drückend, nur haltend, als könnte er es sonst nicht glauben.

Hinter mir zog Ben mir das letzte Stück Stoff über die Hüften und strich mit den Händen über meinen Rücken, meine Pobacken, und dann spürte ich seine Zunge, warm und langsam, dort, wo Jonas eben noch seine Finger gehabt hatte. Ich stöhnte um Jonas herum, und das Vibrieren ließ ihn zucken.

Es war ein Rhythmus, den wir drei zusammen fanden, ohne dass ihn jemand vorgab. Ben leckte mich, bis meine Arme zitterten, und ich nahm Jonas tiefer, gieriger, angetrieben von dem, was hinter mir geschah. Wenn Ben eine Pause machte, drehte ich mich um und küsste ihn, schmeckte mich selbst auf seinen Lippen, und Jonas nutzte den Moment, um sich hinter mich zu knien.

„Ist das okay?”, fragte Jonas, und selbst jetzt, mit rauer Stimme, war da der Freund, der fragte, ob es mir gut ging.

„Ja”, sagte ich. „Bitte.”

Er zog ein Kondom aus seiner Hose — irgendwann in diesen Minuten hatte einer von ihnen daran gedacht, und ich liebte sie in diesem Moment beide dafür —, und dann glitt er in mich, langsam, und ich ließ den Kopf gegen Bens Schulter fallen und stöhnte, während Ben von vorn meine Brüste in den Händen hielt und meinen Hals küsste.

Ein Rhythmus zu dritt

Danach wurde es zu einem einzigen langen Fluss, in dem ich aufhörte zu zählen, wer wo war. Sie tauschten die Plätze, ohne Hektik, mit einer Selbstverständlichkeit, die mich anmachte wie sonst nichts — als wäre ich das Kostbarste, das sie sich teilten, und als würde keiner dem anderen etwas neiden.

Ich saß rittlings auf Ben, seine Hände an meinen Hüften, während er von unten in mich stieß, und Jonas kniete hinter mir und küsste meinen Rücken, meine Schultern, flüsterte mir Dinge ins Ohr, die der leise, höfliche Jonas sonst nie gesagt hätte. Ich beugte mich zu ihm zurück und küsste ihn über die Schulter, während Ben unter mir tiefer wurde, und ich spürte, wie sich alles in mir zusammenzog.

„Ich glaube, sie kommt gleich”, sagte Ben rau, und Jonas’ Hand glitt zwischen meine Beine, während Ben weiter stieß, und die beiden zusammen schoben mich über die Kante. Ich kam laut, ungehemmt, mit beiden Namen auf den Lippen, das Gesicht in Jonas’ Halsbeuge, während Ben mich festhielt und mich durch jede Welle trug.

Sie ließen mir keine Pause. Kaum war ich zu Atem gekommen, drehte Jonas mich sanft um, legte mich auf den Rücken, und ich zog ihn zu mir, während Ben sich neben uns legte, mein Gesicht in seiner Hand, und mich küsste, tief, während Jonas mich nahm. Ich hielt Bens Blick, während Jonas’ Rhythmus schneller wurde, und diese doppelte Nähe — geküsst werden vom einen, genommen werden vom anderen, beide vertraut, beide neu — war fast zu viel.

Jonas kam mit einem Laut, den ich noch nie von ihm gehört hatte, den Kopf an meiner Brust vergraben. Und kurz darauf ließ ich Ben ein zweites Mal in mich, weil ich ihn spüren wollte, bis auch er sich in mir verlor, während Jonas mich in den Armen hielt und mir übers Haar strich.

Danach

Wir lagen zu dritt auf dem Teppich, durcheinander, verschwitzt, außer Atem. Der Regen trommelte immer noch gegen die Fenster. Niemand sagte lange etwas.

Dann fing Ben an zu lachen, dieses leise, ungläubige Lachen, und wir stimmten alle ein.

„Also”, sagte Jonas und zog eine Decke über uns drei, „das war jetzt … kein Witz mehr.”

„Nein”, sagte ich und legte meinen Kopf auf seine Brust, eine Hand in Bens. „Definitiv kein Witz mehr.”

Ich hatte Angst gehabt, ehrlich, in dem Sekundenbruchteil vor dem ersten Kuss — Angst, dass es alles kaputt machen würde. Dass man einen Dreier unter Freunden nicht überlebt, ohne dass danach nichts mehr ist wie vorher. Und ich hatte recht. Nichts war mehr wie vorher.

Es war besser. Vertrauter. Ehrlicher. Wir hatten uns immer alles erzählt — jetzt hatten wir uns auch das gezeigt. Und als ich zwischen den beiden einschlief, in dieser warmen, atmenden Wärme, wusste ich, dass dieser verregnete Freitag nicht der letzte gewesen war.

Aber das ist eine andere Geschichte.