Buero-Affaere: das Meeting
Die meisten glauben, eine Büro-Affäre fängt mit einem gestohlenen Blick am Kaffeeautomaten an. Bei uns fing sie mit einem Kalendereintrag an. „Strategiemeeting, 18:30, Raum Kopenhagen”, stand da, versteckt zwischen zwei echten Terminen, und niemand außer Jan und mir wusste, dass es dieses Meeting gar nicht gab. Es war unsere Erfindung. Unser Spiel. Und was in dieser Sexgeschichte im Büro passierte, hatten wir uns wochenlang zugeflüstert, ohne dass wir es je auszusprechen wagten — bis zu jenem Freitagabend, an dem das ganze Stockwerk leer war und nur noch wir beide übrig blieben.
Ich heiße Nora, ich bin einunddreißig, und Jan sitzt seit anderthalb Jahren drei Schreibtische weiter. Wir sind beide erwachsen, beide ungebunden, beide viel zu diszipliniert, um im Alltag etwas anzudeuten. Genau das machte es so unerträglich schön.
Der Kalendereintrag, den es nicht gab
Angefangen hatte alles mit einer echten Präsentation. Ich hatte vor drei Wochen ein Quartalsmeeting geleitet, und Jan hatte mir hinterher, als alle schon weg waren, gesagt: „Du hast den Raum komplett kontrolliert. Das war beeindruckend.” Er hatte kurz gezögert und dann leiser hinzugefügt: „Und ein bisschen erregend, ehrlich gesagt.”
Ich hätte es überhören können. Ich tat es nicht.
„Beeindruckend, weil ich Menschen dazu bringe, das zu tun, was ich will?”, fragte ich und sah ihn an, länger, als eine Kollegin es tun sollte.
„Genau deshalb”, sagte er.
An diesem Abend schrieben wir uns die erste Nachricht, die nichts mehr mit Zahlen zu tun hatte. Und irgendwann, zwischen halb ernst und ganz ehrlich, entstand die Idee: ein Meeting, das nur uns gehört. Kein echtes Thema, keine Agenda. Nur wir zwei, ein leerer Konferenzraum nach Feierabend — und die Regeln, die wir uns gaben. Ich bin die Leiterin. Er ist der Kollege, den ich für ein „Gespräch unter vier Augen” einbestellt habe. Und alles, was in dem Raum passiert, ist gespielt und doch echt, weil wir es beide so wollen.
Wir schoben den Termin dreimal, weil immer jemand länger blieb. Jedes Verschieben machte es schlimmer. Ich saß tagsüber an meinem Platz, sah seinen Hinterkopf, wusste, dass er wusste, was wir vorhatten, und musste die Beine übereinanderschlagen, damit ich es aushielt.
Am vierten Freitag war das Stockwerk endlich leer.
Achtzehn Uhr dreißig, Raum Kopenhagen
Ich ging zuerst hinein. Ich wollte, dass er kam, wenn ich schon saß — dass er die Tür öffnete und mich am Kopf des langen Tisches vorfand, in meiner Rolle, mit dem Rücken gerade und dem Blick ruhig.
Ich hatte das Licht gedämpft, nur die Deckenspots über dem Tisch. Draußen lag die Stadt schon im Blau des frühen Abends, und die Glaswand warf mein Spiegelbild zurück: dunkler Blazer, Bluse, die Haare zurückgesteckt. Ich sah aus wie eine Frau, die gleich ein unangenehmes Personalgespräch führt. Genau das war der Punkt.
Es klopfte. Ich sagte nichts. Ich ließ ihn zwei Sekunden warten, dann: „Herein.”
Jan kam herein und schloss die Tür hinter sich. Ich hörte den kleinen Klick des Schlosses, und in diesem Klick lag alles. Er hatte den Schlüssel umgedreht.
„Sie wollten mich sprechen”, sagte er. Er blieb an der Tür stehen, Hände locker, aber ich sah, wie schnell sein Atem ging.
„Setzen Sie sich, Herr Reimann.” Ich deutete nicht auf den Stuhl neben mir, sondern auf den weit weg, am anderen Ende des Tisches. Er ging hin, langsam, und setzte sich. Sechs Meter Tisch zwischen uns. Ich genoss jeden davon.
„Wissen Sie, warum Sie hier sind?”, fragte ich.
„Nein”, sagte er, und das kleine Lächeln in seinem Mundwinkel verriet, dass er sehr genau wusste, worum es ging.
„Ihre Arbeit ist tadellos.” Ich stand auf, ging um den Tisch herum, ließ meine Fingerspitzen über die kühle Platte gleiten. „Aber mir ist etwas aufgefallen. Sie sehen mich an. In Meetings. Wenn Sie denken, ich merke es nicht.” Ich blieb hinter ihm stehen. Ich beugte mich vor, mein Mund dicht an seinem Ohr. „Ich merke es immer, Herr Reimann.”
Ich spürte, wie er unter meiner Stimme erschauerte. Sein Nacken war warm, ich roch sein Rasierwasser und darunter ihn, und mir wurde selbst schwindlig von der Macht, die ich mir gerade nahm.
„Stehen Sie auf”, sagte ich.
Er stand.
Das Gespräch unter vier Augen
Ich trat vor ihn, so nah, dass er einen Schritt zurück gegen den Tisch machte. Ich legte eine Hand flach auf seine Brust, spürte sein Herz dagegenschlagen, viel zu schnell für einen Mann, der nur zu einem Gespräch gekommen war.
„Ich könnte das melden”, sagte ich leise. „Diese Blicke. Wäre das nicht unangenehm für Sie?”
„Sehr”, sagte er heiser.
„Oder”, ich schob meine Hand langsam nach unten, über sein Hemd, „wir regeln das hier. Unter uns. Wie zwei Erwachsene, die genau wissen, was sie wollen.” Meine Hand erreichte seinen Gürtel und blieb dort liegen, ohne mehr zu tun. „Was wollen Sie, Herr Reimann? Sagen Sie es. Deutlich.”
Er schluckte. „Sie”, sagte er. „Seit dem ersten Tag.”
Ich griff sein Kinn und zwang seinen Blick auf meinen. „Dann fassen Sie mich nicht an, bevor ich es erlaube. Verstanden?”
„Verstanden.”
Ich küsste ihn. Endlich. Nach Wochen küsste ich ihn, hart, und er stöhnte in meinen Mund, und seine Hände zuckten an seinen Seiten, weil er sie nicht benutzen durfte. Ich löste den Kuss, sah ihn an, wie er kämpfte, stillzuhalten, und es machte mich so nass, dass ich es durch den Stoff spürte.
„Braver Kollege”, flüsterte ich, und das Wort ließ ihn zittern.
Ich öffnete seinen Gürtel, langsam, Loch für Loch, während ich seinen Blick festhielt. Ich schob seine Hose über die Hüften, und er war so hart, dass es fast wehtun musste. Ich legte meine Hand um ihn, spürte, wie er die Luft anhielt.
„So sitzen Sie also in Meetings neben mir”, sagte ich und begann, ihn langsam zu bewegen. „Und das die ganze Zeit.”
„Nora …”, entfuhr es ihm, mein Name, aus der Rolle gefallen, und ich mochte es, dass ich das schaffte.
„Frau Berg”, korrigierte ich und drückte fester. „Wir sind im Dienst.”
Ich ließ ihn eine Weile so, bis seine Beine unruhig wurden, bis er die Hände zu Fäusten ballte, um nicht nach mir zu greifen. Dann ließ ich ab, drehte mich um, stützte mich mit beiden Händen auf den Konferenztisch und sah über die Schulter zurück.
„Und jetzt”, sagte ich, „zeigen Sie mir, wie ernst es Ihnen ist.”
Wenn aus dem Spiel Ernst wird
Er hob mir den Rock. Langsam, ehrfürchtig fast, als traute er sich immer noch nicht ganz. Seine Hände waren warm auf meinen Hüften, und ich hörte, wie ihm der Atem stockte, als er sah, dass ich unter dem Rock nichts trug.
„Frau Berg”, sagte er, und seine Stimme war nur noch ein Rauchen, „das ist … das war nicht Teil des Termins.”
„Nein”, sagte ich und drückte mich ihm entgegen. „Das ist der eigentliche Grund, warum ich Sie bestellt habe. Und jetzt reden Sie nicht mehr.”
Er nahm mich von hinten, und ich musste die Zähne zusammenbeißen, um nicht zu laut zu werden — die Wände waren aus Glas, das Stockwerk leer, aber irgendwo in mir wachte kurz die Angestellte auf, die wusste, wo wir waren. Genau diese Angst machte alles schärfer. Ich sah unser Spiegelbild in der dunklen Fensterfront: ich, über den Tisch gebeugt, mein Blazer noch an, und er hinter mir, den Kopf in den Nacken gelegt.
„Sieh uns an”, flüsterte ich und meinte das Glas. „Sieh, was du im Dienst treibst.”
Er sah hoch, sah unser Bild, und stöhnte auf. Seine Finger gruben sich in meine Hüften, und er stieß fester zu, und ich ließ die Kontrolle für einen Moment fallen, ließ mich einfach nehmen, auf dem Tisch, an dem wir montags über Zahlen stritten. Der kühle Rand drückte sich in meine Oberschenkel, meine Wange lag auf dem Furnier, und ich spürte jedes einzelne Mal, wie er mich weiter über die Kante schob.
Dann richtete ich mich auf, drehte mich um, schob ihn zurück auf den Stuhl am Kopfende — meinen Stuhl, den der Meetingleiterin. „Sitzen”, sagte ich, und er setzte sich, und ich stieg über ihn, ließ mich langsam auf ihn sinken und sah ihm dabei in die Augen.
„So”, sagte ich, während ich mich zu bewegen begann, „führe ich Meetings, Herr Reimann.”
Er legte die Hände auf meine Hüften, fragend, und ich nickte einmal — jetzt durfte er. Er hielt mich, half mir, und für eine Weile gab es keine Rollen mehr, keine Chefin, keinen Kollegen, nur zwei Menschen, die viel zu lange gewartet hatten. Ich fühlte, wie es in mir aufstieg, unaufhaltsam, und krallte mich in seine Schultern, und als ich kam, presste ich mein Gesicht in seinen Hals und biss in seinen Kragen, damit man mich draußen nicht hörte.
Ich spürte, wie er sich verkrampfte unter mir, wie er kurz davor war. „Nicht”, flüsterte ich an seinem Ohr, „noch nicht. Frag mich.” Ich mochte, wie er zwischen Lust und Gehorsam zerrissen war.
„Bitte”, brachte er heraus. „Frau Berg. Bitte.”
„Braver Kollege”, sagte ich, und diesmal war es kein Spiel mehr. „Jetzt.”
Er kam mit einem Laut, den ich noch nie von ihm gehört hatte, tief und rau, sein ganzer Körper zitterte, und ich hielt ihn fest, bis er still wurde.
Nach dem Meeting
Wir saßen danach eine Weile so da, ich auf seinem Schoß, seine Stirn an meiner Schulter, beide außer Atem. Draußen war die Stadt jetzt ganz im Dunkeln versunken, und die Deckenspots warfen kleine Inseln aus Licht auf den Tisch, an dem eben noch so viel passiert war.
„War das”, sagte Jan schließlich und lachte leise, ungläubig, „jetzt ein Rollenspiel oder war das echt?”
„Ja”, sagte ich, und wir mussten beide grinsen, weil die Antwort so unmöglich war und so richtig.
Ich stand auf, strich meinen Rock glatt, steckte eine Haarsträhne zurück, die sich gelöst hatte. Innerhalb von zwei Minuten war ich wieder Frau Berg, die Frau, die das Stockwerk als Letzte verließ. Jan schloss die Tür auf, wir gingen zum Aufzug, und in der Kabine, im grellen Neonlicht, sahen wir aus wie zwei Kollegen, die spät gearbeitet hatten. Nur ich wusste, wie mein Herz noch schlug, und er wusste es auch, und keiner sagte ein Wort.
Am Montag saß Jan wieder drei Schreibtische weiter. Wir grüßten uns wie immer, sachlich, freundlich. Um halb elf ging eine Kalendereinladung bei mir ein.
„Strategiemeeting, Donnerstag, 18:30, Raum Kopenhagen”, stand da. Und darunter, in der Notiz, nur ein Satz: Diesmal bringe ich die Agenda.
Ich lächelte auf meinen Bildschirm, akzeptierte den Termin und schrieb weiter an meiner echten Präsentation. Denn das war das Schöne an dieser Büro-Affäre: Niemand sah sie. Sie lebte in den Terminen, die es nicht gab, in den Räumen nach Feierabend, in der Art, wie ich in Meetings plötzlich seinen Blick auf mir spürte und genau wusste, an welchen Freitag er dachte.
Manche Spiele gewinnt man dadurch, dass man sie nie ganz beendet.
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