Ueberstunden bei der Chefin
Die meisten Sexgeschichten über einen Chef gehen so: junger Kerl, ältere Chefin, sie zerrt ihn übers Schreibtischholz und das war’s. Meine geht anders. Meine fängt mit einer E-Mail um 18:47 Uhr an, mit einer leeren Etage, in der nur noch zwei Lampen brannten, und mit der Erkenntnis, dass ich seit Wochen etwas gewollt hatte, von dem ich mir nicht erlaubte, es auch nur zu denken.
Ich heiße Jonas, ich bin achtundzwanzig, seit anderthalb Jahren in dieser Agentur. Und das hier ist die Nacht, in der ich zum ersten Mal länger blieb, weil meine Chefin es so wollte.
Die E-Mail um Viertel vor sieben
Der Rest des Teams war längst weg. Freitagabend, das Großraumbüro leergefegt, die Kaffeemaschine still, draußen die Stadt schon in diesem blauen Licht, das kurz vor der Nacht kommt. Ich saß über einer Präsentation, die Montag früh fertig sein musste, und war der Letzte auf der Etage — dachte ich.
Dann ploppte ihre Mail auf. Keine Anrede, kein Punkt am Ende, so wie immer, wenn Frau Reuter etwas wirklich meinte: Kommen Sie kurz zu mir, bevor Sie gehen.
Ich kannte diesen Ton aus dem Büroalltag. Ich kannte ihn nicht aus einem leeren Gebäude nach Feierabend. Ich stand auf, strich mir das Hemd glatt — eine dumme, automatische Geste — und ging den langen Gang hinunter zu dem Eckbüro mit der Glasfront, hinter der noch Licht brannte.
Carla Reuter war zweiundvierzig, führte die Agentur, seit ich denken konnte, und hatte eine Art, einen Raum zu betreten, die alle anderen Gespräche in ihm sofort verstummen ließ. Nicht laut. Nie laut. Genau das war das Beunruhigende an ihr. Sie musste die Stimme nie heben, weil sie wusste, dass alle ohnehin lauschten. Ich hatte in achtzehn Monaten gelernt, dass ein hochgezogene Augenbraue von ihr mehr Wirkung hatte als eine halbe Stunde Standpauke von irgendjemand anderem.
Ich klopfte an den offenen Türrahmen. „Sie wollten mich sprechen.”
Sie saß nicht am Schreibtisch. Sie stand am Fenster, ein Glas Wasser in der Hand, das Jackett über den Stuhl geworfen, die Bluse am obersten Knopf offen. So hatte ich sie noch nie gesehen — nicht ungepflegt, im Gegenteil, aber ohne die Rüstung, die sie sonst trug. Sie drehte sich um, und ihr Blick fuhr einmal über mich, langsam, von den Schuhen aufwärts, auf eine Weise, die ich in keinem Meeting je gewagt hätte zu deuten.
„Setzen Sie sich, Jonas.”
Ich setzte mich. Der Stuhl vor ihrem Schreibtisch, auf dem sonst Kunden schwitzten.
Wo genau der Fehler lag
„Die Präsentation für Montag”, sagte sie und lehnte sich mit dem Rücken ans Fenster, die Arme locker verschränkt. „Ich habe sie mir vorhin angesehen.”
Mein Magen zog sich zusammen. „Sie ist noch nicht fertig, ich —”
„Sie ist gut”, unterbrach sie. „Bis auf Folie neun. Auf Folie neun haben Sie etwas behauptet, das nicht stimmt. Und wenn ich es nicht gesehen hätte, hätten Sie es Montag vor dem gesamten Vorstand des Kunden behauptet.”
Sie ließ das im Raum stehen. Ich spürte, wie mir das Blut in die Wangen stieg — teils Scham, teils etwas anderes, das ich mir nicht eingestehen wollte.
„Es tut mir leid”, sagte ich. „Ich korrigiere das sofort.”
„Das werden Sie.” Sie schob sich vom Fenster ab und ging um den Schreibtisch herum, langsam, bis sie direkt vor mir stand, halb an die Kante gelehnt, sodass ich zu ihr aufsehen musste. Ihr Parfüm hing schwer und warm in der Luft — etwas Dunkles, Holziges, das nichts mit Büro zu tun hatte. „Aber vorher reden wir darüber, warum es passiert ist. Sie sind unkonzentriert, Jonas. Seit Wochen. Ihre Arbeit ist gut, aber Ihr Kopf ist woanders. Und ich will wissen, wo.”
Ich sah auf. Das war ein Fehler, denn in dem Moment, in dem ich ihr in die Augen sah, wusste sie es. Frauen wie Carla Reuter wissen solche Dinge, bevor man sie selbst weiß. Ihr Mundwinkel zuckte, kaum sichtbar.
„Ah”, sagte sie leise. „Da ist er also.”
„Ich weiß nicht, was Sie meinen”, sagte ich, und meine Stimme klang belegt.
„Doch, das wissen Sie.” Sie beugte sich ein Stück vor, eine Hand neben mir auf die Armlehne meines Stuhls gestützt, das Gesicht so nah, dass ich ihren Atem spürte. „Sie sehen mich an, wenn Sie glauben, ich merke es nicht. In den Meetings. Am Kaffeeautomaten. Und dann werden Sie rot und tun, als hätten Sie eine Mail gelesen.” Sie richtete sich wieder auf, langsam, genießerisch. „Ich merke alles, Jonas. Das ist mein Job.”
Die Etage, in der niemand mehr war
Ich hätte aufstehen können. Ich hätte sagen können, das führt zu nichts, das ist unangemessen, ich gehe jetzt. Das ist das, was ein vernünftiger Mann getan hätte.
Ich blieb sitzen.
Und sie sah, dass ich sitzen blieb, und in ihren Augen ging etwas an — kein Triumph, eher eine ruhige, aufmerksame Wärme, wie bei jemandem, der einen Plan hat und gerade sieht, dass er aufgeht.
„Wissen Sie”, sagte sie und ging zur Tür des Büros, „das Gebäude ist leer. Die Reinigung kommt erst um zehn.” Sie legte die Hand auf die Klinke, sah mich über die Schulter an — und drückte die Tür ins Schloss. Der Riegel klickte, ein kleines, endgültiges Geräusch, das mir durch den ganzen Körper fuhr. „Wir haben also Zeit, das zu klären.”
„Frau Reuter —”
„Carla”, sagte sie. „Wenn wir das hier tun, dann heiße ich Carla.”
Sie kam zurück, und diesmal setzte sie sich nicht an den Schreibtisch und nicht ans Fenster. Sie kam zu mir. Sie stellte sich zwischen meine Knie, so selbstverständlich, als hätte sie das schon hundertmal getan, und legte mir eine Hand an den Kiefer, hob mein Gesicht zu sich.
„Ich sage dir jetzt, wie das läuft”, sagte sie, und ihre Stimme war um eine Nuance tiefer geworden, ruhig, ohne jede Eile. „Du hörst auf, mich mit diesem verkniffenen Gesicht anzustarren und dich dann zu schämen. Wenn du etwas willst, dann nimmst du es dir nicht — dann bittest du darum. Verstanden?”
Ich schluckte. Mein Herz hämmerte so laut, dass ich sicher war, sie konnte es hören. „Verstanden.”
„Dann frag.”
Ich brauchte einen Moment. Ihre Hand lag warm an meinem Kiefer, ihr Daumen strich über meine Unterlippe, und der Duft von ihr war überall. „Darf ich dich küssen”, sagte ich schließlich, heiser.
„Siehst du”, flüsterte sie. „War doch nicht so schwer.”
Und dann küsste sie mich. Nicht ich sie — sie mich. Fest, bestimmt, mit einer Hand in meinem Nacken, die keinen Zweifel ließ, wer hier führte. Ich hörte mich selbst leise stöhnen in ihren Mund, und ich spürte, wie sie darüber lächelte, mitten im Kuss, weil sie genau das gewollt hatte.
Wer hier die Regeln macht
Sie zog mich am Hemd hoch, aus dem Stuhl, und dirigierte mich rückwärts, bis meine Rückseite gegen die Kante ihres Schreibtischs stieß. Mit einer Hand fegte sie einen Stapel Papier und einen Kugelschreiber beiseite — das erste Unordentliche, das ich Carla Reuter je hatte tun sehen.
„Setz dich drauf”, sagte sie. Ich gehorchte. Sie trat zwischen meine Beine, öffnete langsam Knopf für Knopf mein Hemd und ließ dabei die ganze Zeit meinen Blick nicht los. Ihre Finger waren kühl auf meiner Brust, und überall, wo sie mich berührte, zog sich meine Haut zusammen.
„Du bist nervös”, stellte sie fest.
„Ja.”
„Gut. Das gehört dazu.” Sie beugte sich vor und küsste meinen Hals, gerade unter dem Ohr, und ich spürte ihre Zähne, kaum, nur eine Andeutung, die mir einen Laut entlockte, den ich nicht zurückhalten konnte. „Sei ruhig nicht so leise”, murmelte sie an meiner Haut. „Es hört uns niemand. Das ist ja das Schöne.”
Ihre Hand wanderte meinen Bauch hinunter, langsam, über den Gürtel, und legte sich dann über den Stoff meiner Hose auf das, was längst hart war und gegen den Stoff drängte. Sie drückte, gerade fest genug, und sah mir dabei ins Gesicht, um jede Regung zu lesen.
„So”, sagte sie leise, fast zärtlich. „Das also ist der Grund für Folie neun.”
Ich lachte, atemlos, halb verlegen, und sie lachte auch, kurz, dann küsste sie mich wieder, während ihre Hand mich weiter durch den Stoff rieb, bis ich mich ihr entgegendrückte. Sie öffnete meinen Gürtel, ohne Hast, jeden Handgriff so kontrolliert wie eine Unterschrift, und schob mir Hose und Shorts über die Hüften, gerade so weit, dass sie mich in die Hand nehmen konnte.
Ihre Finger schlossen sich um mich, warm und fest, und ich stöhnte laut auf in die Stille des Büros.
„Braver Junge”, sagte sie leise, und dieses eine Wort ging durch mich hindurch wie ein Stromschlag. Sie fuhr langsam mit der Hand auf und ab, sah dabei zu, wie ich den Kopf in den Nacken legte, wie mir der Atem ausging. „Sieh mich an”, befahl sie, und ich zwang meinen Blick zurück zu ihrem. „Ich will sehen, was ich mit dir mache.”
Nach Feierabend allein mit der Chefin
Sie ließ mich eine Weile so, gerade so lange, dass ich glaubte, gleich zu zerspringen — und hörte dann auf, exakt im falschen Moment, mit einem wissenden Lächeln, das mir zeigte, dass sie genau wusste, was sie tat.
„Nicht so schnell”, sagte sie. „Wir haben doch Zeit.”
Sie richtete sich auf, trat einen Schritt zurück und begann, ihre eigene Bluse aufzuknöpfen. Ich sah zu, wie sie den Stoff über die Schultern gleiten ließ, wie das Licht der Schreibtischlampe über ihre Haut fiel, über den schwarzen Spitzen-BH darunter. Sie öffnete den Reißverschluss ihres Rocks an der Seite, ließ ihn zu Boden fallen und stieg heraus, und dann stand sie da, in Dessous und Strümpfen, in ihrem eigenen Büro, und sah mich an, als wäre das hier vollkommen selbstverständlich — als wäre ich das Einzige auf dieser Etage, das noch zu erledigen war.
„Runter vom Tisch”, sagte sie. „Und zieh dich fertig aus.”
Ich tat, was sie sagte. Ich hätte in diesem Moment alles getan, was sie sagte. Als ich nackt vor ihr stand, ging sie langsam um mich herum, ließ eine Hand über meinen Rücken, meine Hüfte, meinen Bauch gleiten, wie jemand, der eine Ware begutachtet, die ihm gefällt.
Dann setzte sie sich in ihren großen Chefsessel, zurückgelehnt, die Beine übereinandergeschlagen, und deutete mit einem Finger auf den Boden vor sich.
„Knie dich hin”, sagte sie.
Ich kniete. Sie schlug die Beine wieder auseinander, hakte einen Finger in den Saum ihres Slips und zog ihn zur Seite. „Und jetzt”, sagte sie leise, eine Hand in meinen Haaren, die meinen Kopf sanft, aber unmissverständlich zu sich zog, „zeigst du mir, wie leid es dir wegen Folie neun tut.”
Ich beugte mich vor. Der Duft von ihr, warm und schwer, überall. Ihre Finger in meinen Haaren wurden fester, als meine Zunge sie fand, und ich hörte, wie ihr Atem stockte, wie sich das erste Mal, seit ich sie kannte, ein Laut aus ihr löste, den sie nicht kontrolliert hatte. Ich kostete das aus — dieses winzige Zeichen, dass auch sie es wollte, so sehr wie ich. Ich leckte langsam, dann schneller, lernte an jedem Zucken ihrer Hüften, an jedem Ziehen an meinen Haaren, was sie wollte, und tat mehr davon.
„Genau so”, stöhnte sie, den Kopf zurückgelehnt, die Stimme rau. „Guter Junge. Genau so.”
Sie drückte meinen Kopf fester gegen sich, ihre Hüften kamen mir entgegen, und ich spürte, wie ihre Schenkel neben meinem Gesicht anfingen zu zittern. Als sie kam, tat sie es leise, mit angehaltenem Atem und einem langen, bebenden Ausstoßen, eine Hand zur Faust in meinem Haar, die andere um die Armlehne gekrallt — und selbst dabei, selbst im Höhepunkt, behielt sie diese Kontrolle, die mich um den Verstand brachte.
Was sie mir danach befahl
Sie ließ mich noch einen Moment knien, ihre Finger jetzt sanfter in meinem Haar, fast streichelnd. Dann hob sie mein Kinn und sah auf mich herab, und in ihrem Blick lag etwas Zufriedenes, Besitzergreifendes.
„Steh auf”, sagte sie.
Ich stand. Sie erhob sich aus dem Sessel, drehte sich um und stützte sich mit beiden Händen auf die Schreibtischplatte, den Rücken zu mir, und sah mich über die Schulter an. In dieser Haltung, gebeugt über den Schreibtisch, an dem sie sonst über Verträge und Budgets herrschte, war sie das Aufregendste, das ich je gesehen hatte.
„Kondom”, sagte sie und nickte zur obersten Schublade. „Da. Ich bin schließlich vorbereitet.”
Ich fand die Packung, meine Hände zitterten, und sie sah zu, wie ich mir eins überstreifte, mit diesem geduldigen, amüsierten Blick. „Ganz ruhig”, sagte sie. „Uns läuft nichts weg.”
Dann trat ich hinter sie, legte eine Hand auf ihre Hüfte, und selbst jetzt, selbst so, blieb sie diejenige, die bestimmte. „Langsam”, sagte sie, als ich mich an sie drückte. „Ich sage dir, wann.”
Ich wartete. Sie ließ mich warten, den Moment auskosten, in dem ich sie fast berührte und doch nicht, bis ich fast bettelte — und dann, erst dann, sagte sie leise: „Jetzt.”
Ich glitt in sie hinein, langsam, und wir stöhnten beide zugleich in die Stille des leeren Gebäudes. Sie war heiß und eng und drückte sich mir entgegen, gab das Tempo vor, indem sie mir mit der Hüfte sagte, was sie wollte, und ich folgte, gab ihr genau das, worum ihr Körper bat. Die Schreibtischplatte quietschte leise. Draußen leuchteten die Fenster des Bürogebäudes gegenüber, dunkle Rechtecke voller Menschen, die längst zu Hause waren, und hier drin, in dieser einen erleuchteten Zelle über der Stadt, waren nur wir zwei und das Geräusch unserer Körper.
„Fester”, befahl sie über die Schulter, die Stimme zwischen den Stößen gebrochen. „Ich sag dir schon, wenn’s zu viel wird — und das wird es nicht.”
Ich packte ihre Hüften mit beiden Händen und gab ihr, was sie verlangte, und sie stützte sich fester auf den Schreibtisch, ließ den Kopf hängen, und die Laute, die jetzt aus ihr kamen, waren nicht mehr kontrolliert, nicht mehr geplant — endlich, für einen Moment, war die kühle Frau Reuter einfach nur Carla, die sich über ihren eigenen Schreibtisch beugte und stöhnte.
Die zweite Chance
Sie ließ es nicht dabei enden. Kurz bevor ich nicht mehr konnte, drehte sie sich um — sie merkte es, sie merkte alles —, schob mich mit einer Hand auf der Brust zurück in den Chefsessel und setzte sich rittlings auf mich, die Arme um meinen Nacken.
„So”, sagte sie, atemlos, die Stirn an meiner. „Und jetzt sehe ich dir dabei zu.”
Sie führte mich zurück in sich und begann sich zu bewegen, langsam, ihre Augen auf meinen, eine Hand an meinem Kiefer, damit ich wegsah nicht wegsehen konnte. „Sieh mich an”, flüsterte sie, wenn mir die Augen zufielen. „Du sollst wissen, wer das mit dir macht.”
Ich hielt ihren Blick, so gut ich konnte, während sie das Tempo bestimmte, mal langsamer, wenn sie merkte, dass ich zu nah war, mal schneller, wenn sie selbst wieder höher wollte. Sie spielte mit mir wie mit einem Instrument, das sie längst auswendig kannte, obwohl sie es zum ersten Mal in den Händen hielt. Und als ich schließlich sagte, atemlos, „Carla, ich kann nicht mehr”, da lächelte sie, beugte sich vor an mein Ohr und sagte: „Dann darfst du. Jetzt.”
Diese zwei Worte — jetzt darfst du — kippten mich über die Kante. Ich kam mit ihrem Namen auf den Lippen und ihren Fingernägeln in meinen Schultern, und sie hielt mich fest dabei, presste mich an sich, während ich zitterte, und flüsterte mir irgendetwas Beruhigendes ins Ohr, das ich nicht mehr verstand.
Danach saßen wir noch eine Weile so, sie auf mir, mein Gesicht an ihrem Hals, beide verschwitzt, beide außer Atem. Ich spürte ihr Herz gegen meins schlagen, schnell, viel schneller, als sie es je hätte zugeben wollen.
„Folie neun”, sagte sie schließlich, und ich spürte ihr Lächeln an meiner Schläfe, „korrigierst du trotzdem noch heute Abend.”
Ich lachte in ihre Halsbeuge. „Ja, Chefin.”
Sie zog sich von mir zurück, stand auf, sammelte mit einer Ruhe ihre Kleidung ein, als wäre gerade das Selbstverständlichste der Welt geschehen, und knöpfte sich vor dem dunklen Fenster wieder Knopf für Knopf ihre Rüstung zu. Als sie fertig war, war sie wieder Frau Reuter — bis auf die geröteten Wangen und einen Blick, den nur ich jetzt zu deuten wusste.
„Montag”, sagte sie an der Tür, das Jackett wieder über dem Arm, „behandelst du mich im Büro wie immer. Kein Wort, kein Blick, nichts.”
„Und danach?”, fragte ich.
Sie öffnete die Tür, und für einen kurzen Moment, bevor der professionelle Panzer wieder ganz schloss, sah sie mich an, wie sie mich vorhin angesehen hatte — langsam, von den Schuhen aufwärts.
„Danach”, sagte sie, „machst du wieder Überstunden. Freitag. Nur du und ich.”
Dann war sie weg, ihre Absätze auf dem Boden des leeren Gangs, und ich saß nackt in ihrem Chefsessel, atmete den Duft von ihr, der noch überall im Raum hing, und wusste, dass ich ab jetzt jede Woche darauf warten würde, dass um Viertel vor sieben eine E-Mail ohne Punkt am Ende auf meinem Bildschirm erschien.
Ich zog mich an, ging zurück an meinen Platz und korrigierte Folie neun. Es war die konzentrierteste Stunde, die ich seit Wochen gearbeitet hatte.